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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Das Paradies im Plattenbau

von Josefine Janert vom 07.10.2016
Noch wenige Tage in diesem Jahr: Mitten im Berliner Brennpunktbezirk Marzahn-Hellersdorf stoßen neun verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander – und erblühen als »Gärten der Welt«

Eine sanfte Brise weht über den chinesischen Garten, bewegt die Wellen auf dem Teich und streichelt das Gefieder der Schwäne. Der Wind rauscht auch in den Weiden, irgendwo plätschert eine Fontäne. Willkommen in den »Gärten der Welt«, mitten im Häusermeer des Berliner Plattenbaubezirkes Marzahn-Hellersdorf. Neun Themengärten zeigen hier auf 25 Hektar Gartenkunst aus Europa, Asien und dem Vorderen Orient. Und jeder Garten ist ein Kunstwerk für sich, geprägt von den Pflanzen, Linien und Farben der jeweiligen Kultur. Hier stoßen die Kulturen und Religionen der ganzen Welt aufeinander – indem sie erblühen.

Der orientalische Garten ist, wie in islamischen Ländern üblich, von hohen Mauern umschlossen. Der deutsch-algerische Landschaftsarchitekt Kamel Louafi hat vier Wasserläufe mit Wasserspielen entworfen, weswegen die Anlage auch »Garten der vier Ströme« heißt. Man wandelt zwischen Rosen, Palmen und duftenden Fruchtgehölzen – eine Fülle, die das Paradies symbolisiert, wie es im Koran beschrieben ist. An den Garten grenzt der »Saal der Empfänge«, ein Gebäude mit prächtigen Mosaiken, Fliesen und Holzschnitzereien. Es kann ab 2017 wieder für Hochzeiten und andere festliche Gelegenheiten gemietet werden.

Der japanische Garten wirkt dagegen auf den ersten Blick schlicht. Wer dem gewundenen Pfad folgt, entdeckt jedoch hinter jeder Biegung etwas Neues: geharkte Kiesflächen etwa, die für den Zen-Buddhismus typisch sind, und einen Pavillon mit japanischen Schriftzeichen an der Wand. »Garten des zusammenfließenden Wassers« bedeuten sie. Der Zen-Meister Shunmyo Masuno aus der Stadt Yokohama, der den Garten anlegte, spielte damit auf die deutsche Geschichte an. Die Wasserläufe münden in einen Teich, der die Gegenwart Deutschlands symbolisieren soll.

Die Gärten der Welt sind aber kein Disney-Land: Die Grün Berlin GmbH, die sie im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bewirtschaftet, nimmt die jeweilige Kultur und Religion ernst. So soll im orientalischen »Saal der Empfänge« kein Schweinefleisch serviert werden. Nach Möglichkeit werden bei der Gestaltung der Gärten originale Materialien verwendet. Diese sollen so aussehen, wie man sie im Ursprungsland vorfinden würde. An Kamel Louafis Projekten waren seinerzeit dreißig Arbeiter aus Marokko beschäftigt.

Anfangs, so erzählt Louafi, habe es Befürchtungen gegeben

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