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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

»Broken Hartz«

Arbeitslose in Offenbach bringen ihr Leben als Musical auf die Bühne

In einem Chor hat Thomas Demuth zuvor noch nie gesungen. Jetzt steht der arbeitslose Offenbacher in einem Musical auf der Bühne. »Die Texte gehen unter die Haut«, sagt er. Gemeinsam mit fünfzig Freiwilligen probt er für ein Musical über Hartz-IV-Empfänger. »Manchmal du fühlst dich einsam und verlassen … Manchmal du denkst, dass dich alle hassen. Und manchmal – einer hat dich gern.« So singt die Solistin, eine Migrantin. »Da fließt schon das ein oder andere Tränchen«, sagt Demuth, »das Stück ist meine Geschichte.« Ein Plakat für das Offenbacher Musicalprojekt Broken Hartz sprach ihn an. »Wenn du Hartz IV bekommst, bist du schnell weg vom Fenster, du schließt dich ein«, sagt Demuth. Er kommt gern zum Projekt: »Die Proben geben mir Kraft.«

Die Idee zu diesem Musical stammt von Thomas Gabriel, Regionalkantor im Bistum Mainz: »Ich wollte nicht nur Kathedralmusik machen, sondern auch an die Ränder der Gesellschaft gehen«, sagt er. Die kennt er von der Arbeit im Offenbacher Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum für Kinder aus schwierigen Familien. Musikalische Erfahrung hat er als Komponist von Bühnenmusik für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen gesammelt.

Im nüchternen Saal der Pfarrei Sankt Marien in Offenbach üben zwanzig Frauen und Männer die Songs. »Ich bin begeistert«, sagt Kara Molnar, eine rumänische Ingenieurin. Als ausgebildete Sängerin, die gelegentlich auch mit eigenem Jazzprogramm auftritt, ist sie eine der Solistinnen. »Die Idee ist super, das Stück ist sehr schön.« Das Thema liegt ihr: Molnar begleitet Rumänen zu Behörden und zum Jobcenter und übersetzt für sie.

Das Broken-Hartz-Projekt sei mühsamer als andere Musikprojekte, sagt