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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Energische

von Michael Schrom vom 09.10.2015
Sina Trinkwalder hat bewiesen, dass man unternehmerisch und sozial handeln kann. Nun erhält sie den Deutschen Fairness Preis

Sie macht kein großes Aufheben um ihre Person, aber wenn sie auftritt, fällt sie auf. Als Sina Trinkwalder in Anne Wills Talkshow Politikern aus FDP und Linkspartei gleichermaßen vorwarf, sie hätten angesichts der Altersarmut »nicht die Eier in der Hose, um etwas zu verändern«, fragte Bild am nächsten Morgen in großen Lettern: »Wer ist diese ungewöhnliche Unternehmerin?«

Ungewöhnlich ist einiges an Sina Trinkwalder. Nach »erfolgreichem Abbruch« ihres Politik- und Betriebswirtschaftsstudiums gründete sie mit ihrem Mann im Alter von 21 Jahren eine Werbeagentur. Doch 2010, nach der Geburt ihres Sohnes, wechselte sie die Seiten. Sie wollte nicht länger Dienstleisterin für Unternehmen sein, sondern selbst etwas herstellen – und zwar ökologisch, regional, fair und sozial. Sie wollte sich nicht abfinden mit der stereotypen Rede, wonach es auf dem deutschen Arbeitsmarkt keine Beschäftigungsmöglichkeiten für Geringqualifizierte und einfache Arbeiter mehr gibt und die Verlagerung der Textilbranche nach Asien das gelungene Beispiel einer angeblich alternativlosen Wirtschaftsentwicklung ist.

Ihre Überzeugung: »Nur wenn wir möglichst viel vor Ort produzieren und auch einfache Arbeiten anbieten, können wir den regionalen Wirtschaftskreislauf in Schwung halten.« Deshalb wird in Sina Trinkwalders Textilmanufaktur manomama alles von regionalen Erzeugern eingekauft – mit Ausnahme der Biobaumwolle, die nicht in Deutschland wächst. Doch nicht nur das. Weil »Teilhabe an der Gesellschaft nur über Arbeit geht«, stellte Trinkwalder Frauen ein, die auf dem Arbeitsmarkt keine oder nur sehr geringe Chance hatten: Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke, bisherige Leiharbeiterinnen, Ältere. Den Firmen in Deutschland wirft sie »Hochleistungs-Rosinenpickerei« vor. Personalabteilungen würden »Sozialdarwinismus in Reinform« betreiben. In ihrem Verständnis schließt Unternehmer-Sein Verantwortung für die Mitarbeiter ein. Und diese hört nicht am Werkstor auf.

Manche spotten, dass man mit so viel Sozialromantik kein funktionierendes Geschäftsmodell betreiben könne. Ihnen hält Trinkwalder nicht nur ihre beeindruckende Erfolgsbilanz (140 Mitarbeiter, Kooperationen mit großen Handelsketten, schwarze Zahlen) entgegen, sondern auch ihre tiefe Überzeugung: »In Deutschland gibt es für jeden etwas zu tun.« Auf die ungläubige F

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