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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Das Leben ist so teuer«

von Barbara Bollhahn vom 09.10.2015
Die Krankenschwester Eloisa, 69, arbeitet für eine alte Dame in Kuba. Oft sitzt sie mit ihr im Park und schaut den Touristen zu

Wie gerne würde ich mir mal wieder Konfitüre kaufen! Aber die kann ich mir nicht leisten. Und ein Eis erst recht nicht. Hier in Kuba kämpft man ständig, aber man sieht keine Erfolge. Das Leben hier in Havanna ist so ungeheuer teuer, dass ich mit meinen 69 Jahren immer noch arbeiten muss, um über die Runden zu kommen. Ich wünsche mir so sehr, dass sich endlich alles regelt in diesem Land, dass es endlich etwas besser wird. Wie, weiß ich auch nicht. Man könnte vielleicht die Funktionäre absetzen, damit eine andere Richtung eingeschlagen werden kann.

Bis zu meiner Pensionierung habe ich als Krankenschwester gearbeitet. Meine Rente wurde zwar einmal von 170 Pesos auf 270 Pesos erhöht. Aber das sind umgerechnet gerade einmal zehn Dollar – und die reichen nicht zum Leben. Deshalb arbeite ich seit gut einem Jahr als Krankenpflegerin und gehöre damit zu den vielen Kubanern, die selbstständig sind.

Ich pflege Mirta. Sie ist 86 Jahre alt und kommt nicht mehr alleine klar. Ich wohne bei ihr zu Hause und habe ein Zimmer für mich. Für die Betreuung bekomme ich im Monat 130 CUC, was ungefähr 130 Dollar sind. In Kuba gibt es neben dem kubanischen Peso die Währung CUC, das ist der Peso Convertible, der viel mehr wert ist als der Peso. Das Geld für die Betreuung bezahlt die Familie von Mirta, die zum Teil in den USA lebt.

Mit diesem zusätzlichen Geld geht es mir nicht hervorragend, aber es geht mir etwas besser. Ich kann, wie wir hier in Kuba sagen, ab und an ein Problem lösen. Ich kann meine Tochter unterstützen, Kleidung oder Spielzeug für meine zwei Enkelkinder kaufen. Meine Tochter ist 45 Jahre alt und verkauft Schmuck. Damit kommt sie einigermaßen über die Runden. Und dann habe ich noch eine kranke Nichte, die ich manchmal unterstütze.

Fast jeden Tag schiebe ich Mirta im Rollstuhl in den Park des Hotels Nacional am Malecón, der berühmten Uferstraße von Havanna. Das Hotel wurde 1930 gebaut, und ich glaube, die teuersten Suiten kosten bis zu tausend Dollar je Nacht. In den 1940er-Jahren war die Mafia Stammgast hier. Viele berühmte Leute, Schauspieler, Schriftsteller und Musiker, sind im Nacional de Cuba abgestiegen. Ich setze mich mit Mirta draußen in den Garten hinter dem Hotel, und wir schauen aufs Meer. Mirta hat früher, bevor sie ein Gehirngerinsel bekam, leidenschaf

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