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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

»Ich bin ein guter Kämpfer!«

Georg Cloerkes ist taubblind. Seine größte Angst: Sich beim S-Bahnfahren zu verirren. Sein größter Ärger: Assistenten, die ihm dolmetschen, muss er meist von seiner kargen Rente bezahlen. Doch der 58-Jährige lässt sich nicht unterkriegen

Wie begrüßt man einen Menschen, der taubblind ist? Er sieht einen ja nicht. Und er hört nichts. Wie macht man sich verständlich? Der Reporter und die Fotografin klingeln.

Nach einer Weile öffnet Georg Cloerkes die Tür. Der 58-Jährige ist blind. Und er ist gehörlos, seit Geburt. Wer nie hörte, kann auch nicht gut sprechen. Deshalb dolmetscht eine Assistentin. Sie schreibt ihm das »Guten Tag« in die Hand. Jedem Buchstaben ist beim sogenannten Lormen eine andere Stelle in der Hand zugeordnet, die angetippt oder über die gestrichen wird. Rasend schnell, wie auf einer Schreibmaschine, sausen ihre Finger über seine Hand. Alle Kommunikation geht immer erst zur Assistentin, die in seine Hand schreibt. Und Georg Cloerkes antwortet mit dem Lorm-Alphabet in ihre Hand.

Was nimmt man wahr, wenn man nichts hört und auch Geräuschquellen nicht sieht? Vibrationen kann man spüren, erklärt Cloerkes, Trommeln oder das Vorbeifahren eines Zuges am Bahnsteig. Hände, lässt er übersetzen, könne er gut auseinanderhalten. Und aus dem Händedruck auf die Größe eines Menschen schließen. »Es geht ganz viel über Fühlen. Und ich rieche sehr gut. Papier, den Bäcker, Schweiß, das Parfum einer Frau.«

Das Sehen ließ bei Georg Cloerkes von der Pubertät an nach, Diagnose: Usher Syndrom, ein Gendefekt. Die Folge: schleichende Erblindung. Bis 1997 arbeitete er als technischer Zeichner. Dann ging das nicht mehr, er hatte weniger als fünf Prozent Restsehkraft. Seitdem bekommt er eine Berufsunfähigkeitsrente. »Bei richtigem Licht«, sagt Cloerkes, »kann ich Kontraste wahrnehmen. Das erhält mir einen Rest Kreativität.«

Cloerkes wohnt mit seinen betagten Eltern in einem Vorort von Köln. Er hilft im