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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Benzin im Blut

von Winfried Wolf vom 09.10.2015
Wie Autokonzerne mit Wissen der Politik seit Jahren Verbraucher und Umwelt betrügen. Und doch könnte Dieselgate der richtige Skandal zur richtigen Zeit gewesen sein.

Neu ist das, was Volkswagen getan hat, sicher nicht. Im Gegenteil: Das VW-Topmanagement wurde seit Jahren mehrfach darauf hingewiesen, dass der Abgasausstoß seiner Dieselfahrzeuge mittels einer speziellen Software manipuliert wird. Spätestens seit Mai 2014 war das Management durch eine wissenschaftliche Untersuchung des eher kleinen, in San Francisco angesiedelten Instituts International Coucil on Clean Transportation über den Betrug im eigenen Haus detailliert informiert. Die Studie besagt, dass Dieselfahrzeuge von VW (und anderen Pkws bislang nicht genannter anderer Hersteller) im realen Straßenverkehr massiv höhere Stickoxidemissionen aufweisen als von den deutschen Zulassungsbehörden zertifiziert.

Auch die Bundesregierung ist seit rund einem Jahr darüber informiert, dass die Abgaswerte von deutschen Diesel-Pkws deutlich über den offiziellen Grenzwerten liegen. In einem an die Europäische Kommission gerichteten Schreiben der Regierung vom 18. August 2015 – also mehr als einen Monat vor dem sogenannten Dieselgate – heißt es: »Belastbare Indizien, dass die realen durchschnittlichen Stickoxid-Emissionen auch von derzeit auf den Markt kommenden Euro-6-Diesel-Pkw erheblich höher sind als der einzuhaltende Grenzwert (80 Milligramm pro Kilometer), liegen seit Herbst 2014 vor.« In diesem Schreiben geht es nicht um Modelle eines spezifischen Autokonzerns: Es handelt sich hier also nicht allein um einen VW-Skandal, es betrifft die Automobilität generell. Laut diesem Brief betrug der gemessene Stickoxid-Schadstoffausstoß bei diversen Diesel-Pkws teilweise das Sechsfache des Grenzwerts der EU.

Nun musste die Führung des Volkswagenkonzerns zugeben, weltweit bei rund elf Millionen Dieselpersonenwagen der Konzernmarken VW, Audi, Seat und Skoda eine spezifische Software zur »Abgasnachbehandlung« programmiert zu haben: Diese schaltet bei den Fahrzeugen auf dem Prüfstand auf einen spezifischen Fahrmodus, bei dem deutlich niedrigere Abgasemissionen gemessen werden als im normalen Fahrbetrieb. Die manipulierte Software wird seit mindestens sechs Jahren gezielt eingesetzt. Dies um die Behörden zu täuschen, wie der VW-Konzern gegenüber der US-Umweltbehörde Epa zugeben musste.

Dabei ist der jetzige Eklat nur ein Teil d

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