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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Wind of Change in Rom

von Thomas Seiterich vom 11.10.2013
Papst Franziskus lässt seinen Worten Taten folgen. Er entlässt Konservative und verordnet dem Vatikan einen neuen Kurs

»Wenn ich diese Klerikalen sehe, werde ich selbst antiklerikal.« Das sagt nicht irgendeiner, das sagt Papst Franziskus. Deren »höfisches Gehabe in der römischen Kurie« verurteilt er als »die Lepra des Papstamts«. Und Franziskus lässt den Worten Taten folgen. Ein halbes Jahr nach seiner Wahl greift er durch im Vatikan. Der führungsgewohnte Jesuit aus dem Dritte-Welt-Staat Argentinien lässt sich dabei nicht von Vorlieben oder vom Zufall leiten leiten, wie dies seine Vorgänger taten. Nein, Franziskus verfolgt geduldig seine Linie.

Weichen müssen sämtliche Behördenchefs und mächtigen Kurienkardinäle, die zum konservativen Lager um den nun abgesetzten Ex-Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone zählen. Die Neuen, allen voran der neue Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die »Nummer zwei« (Publik-Forum 17/13), sind keine kurialen Herrschergestalten, sondern loyale Diener. Aber nicht devot, sondern selbstbewusst. Parolin hat gleich erklärt, der Zwangszölibat der Priester sei kein Dogma, sondern etwas, worüber man in der Kirche diskutieren könne. Und er unterstützt den Kurs einer »Kirche der Armen«, den Franziskus eingeschlagen hat – als erster Papst der Geschichte.

Franziskus macht vieles neu. Die entscheidende Schlacht schlug er wenige Minuten nach seiner Wahl. Dreimal widerstand er dem Druck, die bereitliegenden Prunkgewänder, das goldene Brustkreuz und die roten Papstpantoffeln anzuziehen. Der Kampf ging um Entscheidendes: Beherrscht ihn das Amt? Oder wird er das Papstamt beherrschen?

Franziskus setzte sich durch. Er trat in einfachem Chorhemd und Blechkreuz vor die Welt – und leitete mit diesem Stilwechsel den neuen, geschwisterlichen Umgang des Papstes mit den Menschen außerhalb wie innerhalb der katholischen Kirche ein. Natürlich muss der Argentinier in Rom auch Lehrgeld bezahlen. Franziskus wollte die Einmalzahlung zu seinem Amtsantritt, rund tausend Euro für die nicht üppig bezahlten Vatikan-Mitarbeiter, nur den Familienmüttern und -vätern überweisen lassen. Keine Chance, denn die Priester und Ordensfrauen im Vatikan protestierten heftig. Franziskus verfügte daraufhin, dass niemand den Sonderlohn erhalte.

Die skandalträchtige Bank des Vatikans, das Istituto per le Opere Religiose (IOR), hat Franziskus binnen weniger Monate an die ganz kurze Leine gelegt. Den Vorgängerpäpsten

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