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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
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Zwang, Geld und Glaube

von Hartmut Meesmann vom 05.10.2012
Für Richter, Bischöfe und Vatikan ist klar: Ein »Teilaustritt« aus der Kirche ist nicht möglich. Doch überzeugt das theologisch?

Der freundliche ältere Herr ist seltsamerweise zufrieden. Hartmut Zapp, ehemals Professor für katholisches Kirchenrecht in Freiburg, hat zwar vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in letzter Instanz verloren. Denn das Gericht entschied, dass ein »Teilaustritt« oder »modifizierter Austritt« aus der katholischen Kirche nicht möglich sei. Dass Zapp aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts austreten wolle, nicht aber aus der Glaubensgemeinschaft, gehe nicht. Dennoch erwartet der 73-Jährige, dass die von ihm angestoßene Debatte über die Verfasstheit der Kirchen in Deutschland einschließlich des Kirchensteuersystems nunmehr weitergeht.

Für die weltlichen Richter wie für die katholischen Bischöfe ist in diesem Fall unerheblich, wie die Kirche konkret verfasst ist – ob als Verein auf Spendenbasis oder wie in Deutschland als Körperschaft öffentlichen Rechts, was mit gewissen Privilegien verbunden ist: Austritt bleibt Austritt. Wer also wie Zapp das deutsche Kirchensteuersystem insgesamt ablehnt oder aus anderen kirchenpolitisch-theologischen Gründen mit dem Kurs der Bischöfe hadert, sich aber weiterhin als Katholik versteht, der oder die steht nun vor einem klaren Entweder-oder: Entweder tapfer in den eigenen Reihen für die eigene Überzeugung streiten – oder aus der Kirche austreten.

Kirchensteuerverweigerung – das ist für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Solidaritätsverweigerung. Es sei die Pflicht eines jeden Katholiken und jeder Katholikin, die eigene Glaubensgemeinschaft finanziell zu unterstützen, so sein Argument; zumal zwei Drittel der Katholiken (Rentner, Kinder, Arbeitslose) keine Kirchensteuer bezahlen müssten und die Kirche ja auch vielfältige Leistungen für die gesamte Gesellschaft erbringe, etwa im Sozial- und Bildungswesen. Pate steht hier das staatliche Steuersystem: Es ist keinem Bürger erlaubt, die Zahlung seiner Steuern zu verweigern, weil er mit deren Verwendung ganz oder in Teilen nicht einverstanden ist.

Nur: Lässt sich eine solche Position einfach auf die Kirche übertragen und theologisch wirklich gut begründen? Glaubt nur der, der einer Gemeinschaft angehört? Und kann man die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft von Zahlungsverpflichtungen abhängig machen? Hartmut Zapp hat immer erklärt, dass es ihm im Kern nicht ums

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