Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Zwang, Geld und Glaube

Für Richter, Bischöfe und Vatikan ist klar: Ein »Teilaustritt« aus der Kirche ist nicht möglich. Doch überzeugt das theologisch?

Der freundliche ältere Herr ist seltsamerweise zufrieden. Hartmut Zapp, ehemals Professor für katholisches Kirchenrecht in Freiburg, hat zwar vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in letzter Instanz verloren. Denn das Gericht entschied, dass ein »Teilaustritt« oder »modifizierter Austritt« aus der katholischen Kirche nicht möglich sei. Dass Zapp aus der Körperschaft des öffentlichen Rechts austreten wolle, nicht aber aus der Glaubensgemeinschaft, gehe nicht. Dennoch erwartet der 73-Jährige, dass die von ihm angestoßene Debatte über die Verfasstheit der Kirchen in Deutschland einschließlich des Kirchensteuersystems nunmehr weitergeht.

Für die weltlichen Richter wie für die katholischen Bischöfe ist in diesem Fall unerheblich, wie die Kirche konkret verfasst ist – ob als Verein auf Spendenbasis oder wie in Deutschland als Körperschaft öffentlichen Rechts, was mit gewissen Privilegien verbunden ist: Austritt bleibt Austritt. Wer also wie Zapp das deutsche Kirchensteuersystem insgesamt ablehnt oder aus anderen kirchenpolitisch-theologischen Gründen mit dem Kurs der Bischöfe hadert, sich aber weiterhin als Katholik versteht, der oder die steht nun vor einem klaren Entweder-oder: Entweder tapfer in den eigenen Reihen für die eigene Überzeugung streiten – oder aus der Kirche austreten.

Kirchensteuerverweigerung – das ist für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Solidaritätsverweigerung. Es sei die Pflicht eines jeden Katholiken und jeder Katholikin, die eigene Glaubensgemeinschaft finanziell zu unterstützen, so sein Argument; zumal zwei Drittel der Katholiken (Rentner, Kinder, Arbeitslose)