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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

»Wie in der DDR«

von Thomas Klatt vom 05.10.2012
Evangelische Kirchengemeinde in Thüringen klagt vor Kirchengericht gegen Fusionierung – und verliert

Vor fast fünf Jahren wurde im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin ein Reform- und Fusionsprozess eingeleitet, der ganz so aussah, wie es sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unter ihrem damaligen Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber im Impulspapier »Kirche der Freiheit« vorgestellt hatte. Gemeinden fusionieren zu Großgemeinden, die Gemeindepfarrer werden zu flexiblen Spezialtheologen, und die Finanzen werden nicht mehr von den Gemeinden selbst, sondern zentral verwaltet.

Schon zu Beginn der Erprobungsphase widersetzten sich zwei Gemeinden diesem Prozess. Jetzt will auch die Kirchengemeinde Manker-Temnitztal südwestlich von Neuruppin nicht mehr mitspielen. Die Ortsgemeinde hatte bei der Landeskirche auf Neubildung als selbstständige Kirchengemeinde geklagt. Doch diese Klage wurde in erster Instanz abgeschmettert. Eine Gemeinde, die es nicht mehr gebe, weil sie fusioniert wurde, könne nicht mehr klagen, heißt es zur Begründung. Denn nach einer Zusammenlegung sei eine Gemeinde eben keine juristische Person mehr, entschied das Berliner Kirchengericht.

Kritiker der Gemeindezusammenlegungen befürchten nun, dass diese Niederlage Signalwirkung für die gesamte EKD haben könnte. Rechtsanwalt Georg Hoffmann, der die betroffene Kirchengemeinde vertritt, ist überzeugt, dass die Landeskirche die Gemeinden vor fünf Jahren zu Beginn des Fusionsprozesses getäuscht hat. Denn die Ortskirchenräte hätten heute so gut wie nichts mehr zu entscheiden, weder in Personal- noch in Haushaltsfragen.

Martin Richter, verantwortlicher Jurist im Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, hält dagegen, dass es von Anfang an Transparenz und viele Gespräche gegeben habe. Allerdings gibt der Kirchenjurist zu, dass sich der Fusionsprozess zum Teil noch in einer rechtlichen Grauzone bewege. »Die Satzung ist von der Gesamtkirchengemeinde beschlossen worden. Allerdings sieht das Erprobungsgesetz vor, dass diese Satzung von der Kreissynode zu genehmigen ist. Und diese Genehmigung gibt es noch nicht.«

Während der Superintendent des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin, Matthias Puppe, den Reform- und Fusionsprozess in seinen Gemeinden auf einem guten Weg sieht, klagen die Gemeinde Manker-Temnitzal und ihr Pfarrer Stephan Scheidacker: Die Ortsgemeinden verlören ihr

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