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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

»Der Präsident ist sichtbar gealtert«

Wie Barack Obama und Mitt Romney ticken und warum ein Wahlkampf für soziale Gerechtigkeit in den USA gar nicht so einfach ist. Fragen an Ulf-Jensen Röller, ZDF-Korrespondent in Washington

Herr Röller, wie erleben Sie Präsident Barack Obama in diesen Tagen?

Ulf-Jensen Röller: Obama ist ein Gezeichneter, er ist sichtbar gealtert. Ich habe ihn bei einem großen Dinner erlebt, wo er eine sehr witzige Rede gehalten hat über sein physisches Altern. Er ist auch ein Gehetzter; er hat wirklich Angst, nicht wiedergewählt zu werden. Ihm ist bewusst, dass er mehr ist als ein normaler Präsident. Obama ist der erste schwarze Präsident. Würde er abgewählt, wäre das ein historischer Einschnitt für das multikulturelle Amerika.

Wie steht Obama heute politisch da?

Röller: Er befindet sich im Überlebenskampf. Obama ist für viele Amerikaner eine Enttäuschung. Ob zu Recht oder nicht, spielt in der Politik oft leider keine Rolle. Obama kämpft gar nicht so sehr gegen Mitt Romney, denn dieser ist nicht besonders charismatisch. Er kämpft eher gegen den Niedergang des Landes. Die Wirtschaft schwächelt, die Arbeitslosigkeit ist hoch, und ganze Schichten drohen zu verarmen.

Ist Obama daran schuld?

Röller: Ich würde sagen: Nein. Aber das spielt keine Rolle. Um diese Wahl zu gewinnen, muss er sich von seinen Träumen und Sehnsüchten verabschieden. 2008 ist er angetreten in der Hoffnung, dieses Land unter seiner Biografie zu vereinen: weiße Mutter, schwarzer Vater. Dieser stammte aus Afrika, von dort kamen die Sklaven. Obama selbst gehörte zur Harvard-Elite und arbeitete als Sozialarbeiter in einem schwierigen Viertel in Chicago. Also all das, was den amerikanischen Traum ausmacht. Aber jetzt muss Obama einen knallharten Klassenwahlkampf machen. Nach dem Motto: Wenn die anderen drankommen,