»Wir weigern uns, Feinde zu sein«
Mein Herz klopft heftig. Ich robbe unter einem Stacheldrahtzaun durch, mitten in der staubtrockenen Mittagshitze, tief im von Israel besetzten Palästina. Ich klettere über eine Natursteinmauer und gehe dann vorsichtig den Weinberg hoch in Richtung Tent of Nations, »Zelt der Nationen«. Droben auf dem Berg bellt ein Hund. Oder sind es zwei? Beißen palästinensische Wachhunde? Egal. Ich suche den Bauer Daoud Nasar, der auf einem von jüdischen Siedlern noch nicht besetzten Hügel hoch über dem arabischen Dorf Nahalin die ökumenische Begegnungsstätte Tent of Nations gestartet hat. Das Friedensprojekt liegt auf halbem Weg zwischen Bethlehem und der uralten Patriarchenstadt Hebron im Süden der Westbank. Schließlich finde ich zum Weg und stoße auf einen aufgerichteten Stein. »Wir weigern uns, Feinde zu sein«, steht darauf in Arabisch, Englisch und Deutsch. Dann kommt mir Maher Nasar den Feldweg herab entgegen. Ein wettergegerbter Mann von etwa fünfzig Jahren, in Landarbeiterklamotten. Der ältere Bruder von Daoud Nasar hat meine Rufe gehört.
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