Von Engeln und Outsidern
Es gibt so etwas wie untergründige oder unterschwellige Theologien. Sie liegen zumeist unter dem »Niveau« von öffentlich artikulierten religiösen Ideen, wie man sie in Büchern liest oder in Predigten hört. Sie stellen häufig auch ein Gegengewicht dar zur offiziellen Religion der Kirchen. Und sie sind auch »direkter mit der unmittelbaren Erfahrung der gewöhnlichen Leute verbunden als die offiziellen theologischen Formulierungen, die von denjenigen gelehrt und verteidigt werden, die als Theologen an die Universitäten und Kirchen berufen und dort bezahlt werden«, wie es der britische Religionssoziologe Robert Towler formuliert. Mit seinem Hinweis darauf, dass religiöse Vorstellungswelten mit der unmittelbaren Lebenserfahrung verbunden sind, macht Robert Towler indirekt auch auf den Tatbestand aufmerksam, dass unterschiedliche Statusgruppen auch unterschiedliche religiöse Neigungen haben und Akzente setzen, je nachdem, was ihnen »nutzt und frommt«. Die neuere Soziologie, welche die Bevölkerung stärker in soziale Milieus als in soziale Stände, Klassen und Schichten gegliedert denkt, kann bestätigen, dass Religiosität lebensweltlich gefiltert und gebrochen wird. Die Erfahrungsbereiche sind milieuspezifisch unterschiedlich. Dies kann mit zwei Beispielen aus den neueren Sinus-Milieustudien verdeutlicht werden.
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Michael N. Ebertzgeboren 1953, ist katholischer Theologe und Soziologe. Er ist Privatdozent für Soziologie an der Universität Konstanz und lehrt als Professor an der Katholischen Fachhochschule (KFH) in Freiburg. Außerdem leitet er das dortige »Zentrum für kirchliche Sozialforschung«.

