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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
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Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

Der Lebensmittel-Punkt

von Ralf Nestler vom 09.10.2009
Fünfzig CAP-Märkte bundesweit geben Behinderten Arbeit

Vorsichtig zieht er die Limoflaschen im Regal nach vorn und dreht sie so, dass die Etiketten gut zu sehen sind. Dann geht er ein paar Schritte nach rechts und sortiert kleine Tetrapacks mit Mineralwasser nach ihrem Haltbarkeitsdatum. »Die alte Ware kommt nach vorn, damit sie bald verkauft wird«, sagt Matthias Simoni. Er arbeitet routiniert, und trotzdem hat der gelernte Verkaufshelfer in einem normalen Supermarkt keine Chance. Er ist ein bisschen langsamer als andere, und wenn es hektisch wird, fällt ihm schon mal eine Flasche herunter und geht zu Bruch.

Lange Zeit hat Simoni im CAP-Markt im mecklenburgischen Güstrow gearbeitet. Für ihn war das ein wichtige Lehrzeit und Erfahrung für künftige Jobs. Der Name des Markts ist abgeleitet von Handicap, fünf der sieben Mitarbeiter sind behindert. Der erste CAP-Markt wurde 1999 in Herrenberg bei Stuttgart eröffnet, mittlerweile gibt es in vielen Regionen Deutschlands Filialen, vor allem im Südwesten und im Norden. Betrieben werden sie von der Lebenshilfe, der Caritas oder der Diakonie. Insgesamt fünfzig gibt es bundesweit.

»Früher war hier ein Sparmarkt drin«, sagt Brigitte Pschribülla und deutet mit einem Kopfnicken auf die 400 Quadratmeter Verkaufsfläche. Schon damals war die heute über Fünfzigjährige Marktleiterin. Als der Besitzer in den Ruhestand ging, wollte keine der großen Einzelhandelsketten den weiß getünchten Flachbau in einem Wohngebiet im Westen der Stadt übernehmen, erzählt sie.

So beginnt meistens die Geschichte eines CAP-Marktes. Hier übernahm die Integra Güstrow gGmbH, eine Tochtergesellschaft des Diakonievereins Güstrow, das Geschäft und eröffnete vor drei Jahren ihre erste Filiale des sozialen Supermarkts. Er soll behinderten Menschen Arbeit geben und besonders älteren Menschen, die oftmals weniger mobil sind, ihre Einkaufsmöglichkeiten vor Ort erhalten.

Das gelb-rot-grüne Logo der CAP-Märkte hat den mehrdeutigen Untertitel »Lebensmittelpunkt«. Der Markt im Güstrower Westen ist nicht nur Mittelpunkt für die Mitarbeiter, sondern auch für die Kunden. Knapp 700 Menschen kaufen hier täglich ein, die meisten sind Rentner und Arbeitslose aus den umliegenden Neubaublocks. Etwa vierzig davon kommen mehrmals am Tag in den Markt, schätz

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