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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

Und wenn Gott schwarz wäre?

von Lukas Meyer-Blankenburg vom 22.09.2017
Der gebürtige Kongolese Olivier Ndjimbi-Tshiende war Pfarrer in Bayern. Er wurde von Rassisten bedroht. Jetzt erscheint sein Buch

Mit 68 Jahren wieder an die Uni. So ganz passt die Rolle nicht. Doch Olivier Ndjimbi-Tshiende ist froh, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Eichstätt zu sein. Dabei war er schon mal Professor und vor Kurzem sogar einer der bekanntesten katholischen Priester Deutschlands. Doch unerwartete Wechsel ist der höfliche Mann in seinem Leben gewohnt.

Als Olivier Ndjimbi-Tshiende zur Welt kommt, ist der Kongo noch belgische Kolonie. Bei Missionaren lernt er das Christentum kennen. Er wird der erste Priester seine Stammes, ein kleiner Star. Es folgt ein Studium in München, mit einer Habilitation in Moralphilosophie. 2007 ernennt ihn das kongolesische Erziehungsministerium zum Professor. Er könnte Karriere machen, doch er kehrt als Seelsorger ins Erzbistum München zurück. Im Herbst 2015 wird er auch in Deutschland eine Berühmtheit: »der Pfarrer aus Zorneding« füllt die Schlagzeilen. Heute ist Ndjimbi-Tshiende froh, dass die meisten Menschen zweimal überlegen müssen, ehe ihnen wieder einfällt, weshalb sie seinen Namen kennen.

Begonnen hatte alles mit einem Artikel der Zornedinger Gemeinderätin Sylvia Boher. Im CSU-Ortsblättchen schwadronierte sie über eine »Invasion« der Flüchtlinge und davon, dass Bayern von feindlich gesinnten Fremden »überrannt« werde. Der Pfarrer kritisiert Boher, nennt ihre Aussagen menschenfeindlich. Der Pfarrgemeinderat unterstützt ihn. Auch er greift in einem offenen Brief Bohers »braune Gedankenwelt« an. Der Dorfsegen in Zorneding, einer Gemeinde mit 9000 Einwohnern im Speckgürtel von München, hängt schief. Der damalige Stellvertreter Bohers, Johann Haindl, heizt die Stimmung weiter an. In einem Gespräch mit der Ebersberger Zeitung bezeichnet er Ndjimbi-Tshiende als »Neger« und sagt, der Pfarrer müsse aufpassen, dass ihm sein Vorgänger »nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt«.

Rassismus ist für den Kongolesen mit deutschem Pass nicht neu. Als Student wird er einmal im Restaurant nicht bedient. Als er seine erste Pfarrstelle antritt, sagt ein Mitarbeiter: »Unter einem Neger arbeite ich nicht.« Ein Ehepaar weigert sich, ihr Kind von ihm taufen zu lassen. Ndjimbi-Tshiende hat gelernt, mit Hass umzugehen. Aber was nun in seinem Briefkasten eintrudelt, hat eine neue Qualität. Anonyme Morddrohungen, mal als Brief, mal als Karte, offensichtlich nicht nur von einer Person verfasst. Der Pfarrer hängt eine be

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