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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

Gehörst du auch zu denen?

von Thomas Bastar vom 22.09.2017
Wie sich junge religiöse Muslime aus der »Generation 9/11« ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfen

Die Deutsch-Türkin Hülya Kandemir aus Bayern hatte vor zwanzig Jahren Erfolge als Popsängerin und Liedermacherin gefeiert. Später wandte sie sich ihrem islamischen Glauben zu, stieg aus dem Musikgeschäft aus und trat nur noch mit Kopftuch in Erscheinung. Sie nannte das ein Zeichen der Befreiung von dem Druck zur Selbstdarstellung. Doch seit einigen Jahren ist Kandemir wieder auf der Bühne zu sehen. 2013 veröffentlichte die Liedermacherin ihr Album »Ego«. Mittlerweile tritt sie auch wieder ohne Kopftuch auf. Im Gespräch mit der Journalistin und Islamwissenschaftlerin Julia Gerlach betont sie, dass dies aber kein »Zurück« sei: »Ich bin heute viel kritischer als früher gegen die Mechanismen der Unterdrückung, des Rassismus und des Materialismus. Ich bin nicht nur gegen muslimische Autoritäten, die mir vorschreiben wollen, wie ich leben soll. Ich bin gegen alle solchen Autoritäten.«

Julia Gerlach präsentiert Hülya Kandemir in ihrer Studie »Auf dem Weg zu einem Europäischen Islam – oder ist dieser längst Realität?«, die sie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat. Für sie ist Hülya Kandemir ein Beispiel dafür, dass der Islam in Europa seit einigen Jahren viel individueller und vielfältiger geworden ist. In vielen Gesprächen mit Muslimen in Deutschland und Österreich hat sie erkundet, wie sich der Islam in Deutschland entwickelt. Dabei hat sie vor allem Muslime interviewt, die sich für eine Weiterentwicklung und Beheimatung ihrer Religion in Deutschland engagieren. Ihr Fazit: Es habe sich mittlerweile eine Form des Islams in Deutschland herausgebildet, der deutlich vom Einfluss der Mehrheitsgesellschaft und von europäischen Werten geprägt sei. Besonders aufgefallen sind Gerlach die jungen Muslimas, auf die »das Klischee der unterdrückten Tochter« überhaupt nicht mehr zutrifft. Mehr und mehr Musliminnen und Muslime, so Gerlach, fordern ein, als Individuum gesehen und anerkannt zu werden. Sie wehren sich dagegen, nur im Kollektiv wahrgenommen zu werden. Viele junge Muslimas sind erfolgreich in Schule und Studium, engagieren sich in muslimischen Organisationen und treten auch nach außen selbstbewusst und mutig auf. »Sie haben immer versucht, das negative Bild des Islams mit einem extrem positiven Gegenbild auszugleichen«, zitiert Gerlach die von ihr befragte Politologin Kübra Gümüsay.

Ein Beispiel dafür ist Kübra Böler. Die junge Hamburger Studentin tritt in de

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