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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

Die Mühen der Ebene

von Thomas Seiterich vom 22.09.2017
Kolumbien und Venezuela: Erstmals trifft Papst Franziskus in Lateinamerika auf harten Widerstand

Versucht man, den von Massen umjubelten und gleichzeitig scharf kritisierten Kolumbienbesuch des Papstes auf den Punkt zu bringen, drängt sich ein Bild auf: Franziskus ist in der zähen Wirklichkeit angekommen. Für den ersten aus Südamerika stammenden und in der befreienden »Volkstheologie« Argentiniens großgewordenen Pontifex war der Kolumbienbesuch kein Selbstläufer. Zwar feierten ihn Millionen vornehmlich junger, einfacher und armer Leute, doch ob er auch die Herzen der machtorientierten Konservativen erreichte, ist fraglich. Diese widersprechen ihm nicht offen. Doch sie haben den Friedenspapst, der im Dezember 81 Jahre alt wird, längst abgeschrieben. Sie wissen, dass Franziskus nicht mehr viel Zeit bleibt.

Drei Reisen unternahm der Papst bislang nach Lateinamerika: Er kam zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro, besuchte Bolivien, Ecuador und Paraguay ebenso wie Kuba und Mexiko. Jedes Mal glichen die Besuche Triumphzügen. Doch diesmal, in dem von 52 Jahren Krieg ausgezehrten Kolumbien, war nichts einfach.

»Tun wir den ersten Schritt!«, so lautet das klug gewählte Motto der Reise. Es signalisiert Mühe. Tatsächlich ist das von Natur aus reiche Kolumbien von einer nationalen Aussöhnung noch weit entfernt. Franziskus hatte Kolumbien einen Besuch versprochen, wenn der Friedensvertrag mit der Linksguerilla FARC abgeschlossen sei. Das ist zwar der Fall. Doch wie stabil der Frieden sein wird, weiß niemand. Gesellschaft und Kirche zeigen sich in der Frage der Wiederintegration ehemaliger FARC-Kämpfer tief gespalten. Folglich vermied Franziskus Friedensvertrags-Detailthemen und sprach stattdessen grundsätzlich über soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz. Unermüdlich rief er zum Verzeihen und Versöhnen auf. Immer wieder wandte er sich besonders an die Angehörigen der 220 000 Getöteten – die durch Guerilla, Armee oder rechte Paramilitärs einen Teil ihrer Familie verloren haben.

Einen religiöseren Ton als der Papst schlug Rodrigo Londoño alias Timoschenko an. Er ist seit 2011 der Chef der FARC. Der Arzt, für dessen Kopf die USA ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auslobten, bat in einer Art öffentlicher Beichte in Briefform den Papst um Vergebung für die vielen Getöteten durch die FARC, die er kommandiert. Und auch der liberale Staatspräsident Juan Manuel Santos äußerte sich sehr religiös: Er rief dazu auf, »einander nicht als eine Last, sondern als Geschenk« anzuneh

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