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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

Keine Mütter zweiter Klasse

von Thomas Gesterkamp vom 25.09.2015
»Lasst Väter Vater sein«, fordert die Feministin Barbara Streidl in einer Streitschrift

Barbara Streidl ist ein »Alphamädchen«. So zumindest bezeichnete sie 2008 ihr Verlag, als sie mit Susanne Klingner und Meredith Haaf ein Buch darüber schrieb, »warum Feminismus das Leben schöner macht«. Die Medien werteten das damals als publizistische Intervention einer nachwachsenden Generation engagierter Frauen, die sich von den Bewegungsveteraninnen abgrenzen wollten.

»Alphamädchen« Streidl war damals bereits 35 Jahre alt und die älteste im Autorinnenteam. Den Titel, betont sie, habe der Verlag bestimmt. Auch in ihrem Blog »Mädchenmannschaft« schlug sie gemeinsam mit jüngeren Feministinnen ungewohnte Töne an, warb für gegenseitiges Verständnis in der vergifteten geschlechterpolitischen Debatte. Zugleich plädierte sie für einen gelassenen Umgang mit »verdienstvollen Führungsfrauen« wie Alice Schwarzer.

Das Kernanliegen ihres neuen Buches nun sieht Streidl darin, die Väter »aus dem Schatten der übermächtigen deutschen Mutter« herauszuholen. Väter seien keine Mütter zweiter Klasse. Viele Männer würden blockiert »von sturen Chefs, die Kind und Karriere für unvereinbar halten, aber auch von Müttern, die Erziehungsfragen allein entscheiden wollen«.

Die Autorin hat nichts gegen Allein erziehende und auch nichts gegen gleichgeschlechtliche Eltern, dennoch plädiert sie für eine Paarbeziehung, in der Väter wie Mütter an der Erziehung beteiligt und Männer keine Zaungäste sind. Einem Kind könne »nichts Besseres passieren als ein Vater, der Verantwortung übernimmt und nicht bloß Aufgaben«.

Nach »Generationen abwesender Erzeuger und Ernährer«, meint Barbara Streidl, bräuchten wir »ein neues Vaterbild und entsprechende Veränderungen in Familie, Beruf und Gesellschaft«.

Diese Thesen sind bekannt und in den vergangenen Jahren von diversen (meist männlichen) Autoren umfassend diskutiert worden. Interessant ist der wohlgesinnte Blick aus frauenbewegter Perspektive. Denn in der gleichstellungspolitischen Debatte wird das vielzitierte Phänomen der »neuen Väter« häufig kritisch betrachtet – bis hin zum bösen Spott von der »Vater Morgana«. Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen und auch Journalistinnen monieren immer wieder, dass Väter »nur« zwei Monate der bezahlten Elternzeit nutzen. Es handele sich, so das gängige Argument, um »Mitnahmeeffekte«, weil dieser finanzielle Anspruch sonst verfalle.

In der Tat ge

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