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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

Graswurzeln und Schneebälle

von Markus Dobstadt vom 25.09.2015
In Berlin wurden alternative Wirtschaftsmodelle diskutiert. Doch schaffen sie tatsächlich den Weg aus der Nische?

Wandel ist möglich. Er hat schon begonnen«, sagte der britische Kapitalismuskritiker Paul Mason zu Beginn des viertägigen Kongresses Solidarische Ökonomie und Transformation, kurz Solikon. Die Teilnehmer konnten sich schon vor dem Kongress davon überzeugen, dass die Zukunft im Kleinen bereits begonnen hat: etwa beim Besuch im Umsonstladen »Ula«, wo jeder Gegenstände hinbringen oder mitnehmen kann. Bei einer Kooperative, die eine Backstube betreibt, bei Gemeinschaftsgärten oder dem Modeladen Kollateralschaden, der ausrangierte Kleidung nach Kundenwünschen umarbeitet und wiederverkauft. Diese Projekte zeigten, dass nachhaltig und sozial zu wirtschaften schon jetzt möglich ist. »Ein Traum von mir ist, dass auf dieser Konferenz Netzwerke entstehen, die es möglich machen, bald alles solidarökonomisch einzukaufen, was man für das gute Leben braucht«, sagte Frank Wesemann vom Ökohof Waldgarten in Brandenburg. Und in der Tat ist Vernetzung ein großes Anliegen der Konferenz gewesen. In mehr als hundert Podien, Workshops und Foren ging es um die Frage: Wie kann eine Alternative zum Kapitalismus aussehen, der für Armut und Ungleichheit sorgt und durch den Klimawandel die Welt an den Abgrund führt? Und wie kann dieser Wandel hin zu einer solidarischen Ökonomie durchgesetzt werden? Denn die Regierungen in allen maßgeblichen Ländern der Welt verfolgen den entgegengesetzten Kurs: eine Austeritätspolitik mit extremen Sparprogrammen und eine Förderung von Konzernen, etwa durch den Abschluss von Freihandelsabkommen.

Der Grüne Europaabgeordnete Sven Giegold wies darauf hin, wie wichtig Graswurzelbewegungen sind, gerade beim Protest gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und Europa. Auch für Christian Felber, Vordenker für das Konzept der Gemeinwohlökonomie, kommt es darauf an, immer mehr Anhänger von den Vorteilen des alternativen Wirtschaftens zu überzeugen. Seiner Meinung nach gelingt das in Ansätzen: »Die Keime der Alternativen sind längst da – nur ist keine Pflanze bisher systemrelevant geworden«, sagt er. Die Gemeinwohlökonomie-Bewegung sei in vierzig Ländern inzwischen präsent. Mehr als 250 Unternehmen hätten eine »Gemeinwohlbilanz« erstellt, das Herzstück des Konzeptes. Danach wird ein Unternehmen nicht nach dem geschäftlichen Erfolg bewertet, sondern danach, was es

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