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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

Ein weiter Weg für den Klimaschutz

von Thomas Bastar vom 25.09.2015
In Flensburg begann der »Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit«. Ziel ist die Weltklimakonferenz in Paris

Drei Eisbären mit weißem wuscheligem Fell laufen durch den Mittelgang der Flensburger St. Nikolaikirche. Es sind verkleidete Jugendliche vom Jugendklimanetzwerk der evangelischen Nordkirche, die so einen anschaulichen Beitrag zum Eröffnungsgottesdienst des Ökumenischen Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit leisten. Anstelle des Kyrie-Rufes werden »Schmerzpunkte« fehlender Klimagerechtigkeit beklagt: Umweltverschmutzung, der Verlust biologischer Vielfalt – hier kommen die Eisbären ins Spiel –, Klimaflüchtlinge wegen zunehmender Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel. »Christus, dein Licht verklärt unsere Schatten« singt die Gemeinde als Antwortgesang.

Die große gotische Nikolaikirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. In den ersten Bankreihen sitzen etwa siebzig Pilgerinnen und Pilger. Sie beginnen in Flensburg die Wanderung, die Ende November zum Beginn der Weltklimakonferenz in Paris enden soll. Es sind überwiegend ältere Menschen, mehr Männer als Frauen. Einige von ihnen laufen nur einen Tag mit, andere wollen mehrere Tage durchhalten. Insgesamt haben sich mehr als 500 Menschen für Teilstrecken angemeldet. Acht Pilger haben sich vorgenommen, die ganze Strecke bis Paris zu bewältigen.

Gerhard Kuntz aus der Nähe von Stuttgart ist einer von ihnen. Sein großer Rucksack mit angeschnallter Isomatte zeigt an, dass er länger unterwegs sein will. Für das Pilgern hat Kuntz sonst eigentlich nicht viel übrig. Aber der Klimaschutz liegt ihm am Herzen. Er sieht den Pilgerweg nach Paris mehr als politische Demonstration: »Wenn meine Enkel mich einmal fragen: ›Was hast du getan‹, kann ich sagen: ich bin auch mal für Klimagerechtigkeit bis nach Paris gelaufen.« Der weißhaarige Mann im schwarzen Anorak war bis vor Kurzem Mitarbeiter von Brot für die Welt. Er weiß, welche Folgen durch den Klimawandel drohen: »In zehn Jahren werden sich vielleicht zehn Millionen Menschen aus Bangladesch nach Europa aufmachen, weil sie wegen der Überschwemmungen in ihrer Heimat nicht mehr leben können.«

Das Thema Flüchtlinge ist allgegenwärtig. Schon bei der Anreise am Flensburger Bahnhof trafen Pilger und Gäste auf Flüchtlinge, die auf Züge nach Dänemark warteten. Freiwillige Helfer haben die Bahnhofshalle umfunktioniert – mit Essensausgabe, Bergen von Wasserflaschen, Stelltafeln mit Informationen und einem Infotisch zur Beratung. Im Gottesdienst erinnert Gothart

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