Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Franziskus unter den Wölfen

von Thomas Seiterich vom 26.09.2014
In Rom und andernorts wächst die Gegnerschaft gegen den Papst, weil dieser versucht, die Kirche umzubauen. Der Ausgang der Auseinandersetzung ist offen, sagt der italienische Vatikan-Experte Marco Politi

Publik-Forum: »Herr Politi, Ihr neues Buch trägt den Titel »Franziskus unter den Wölfen« und erscheint jetzt in Italien, Argentinien, Frankreich und den USA. Weshalb diese düstere, dramatische Perspektive?

Marco Politi: Ich dachte bei dem Titel zunächst an Franz von Assisi. Der begegnete der Legende nach in Gubbio einem gefährlichen Wolf. Franziskus sprach und predigte zu der gefürchteten Bestie – und am Ende küsste der Wolf die Hand des Heiligen … Ich erlebe als Beobachter in Rom nach einem Jahr Papst Franziskus, dass in der römischen Kurie wie auch in den oberen Rängen der Weltkirche die Opposition gegen den Argentinier wächst. Die Verächtlichmachung seiner Theologie nimmt zu. Beim Kirchenvolk und in der breiten Öffentlichkeit erhält der Papst viel Applaus. Doch im Hintergrund wirken die Wölfe. Sie leisten Widerstand.

Können Sie die Wölfe genauer
beschreiben?

Politi: Da gibt es zum Beispiel die ehrlichen Widersacher. Sie sind mit einem Teil der Positionen, die der Papst vertritt, nicht einverstanden und sagen das auch. So ist etwa Kardinal Gerhard Ludwig Müller überhaupt nicht damit einverstanden, dass die Geschiedenen und Wiederverheirateten die Kommunion erhalten sollen. Das ist eine offene Teil-Opposition. Dieser Papst findet es jedoch durchaus gut, wenn Kardinäle, Bischöfe und Laien mit ihrer Kritik nicht hinter dem Berg halten. So hat Franziskus Müller zum Kardinal gemacht, just nachdem Müller im Osservatore Romano einen sehr kritischen Artikel gegen die Zulassung der Wiederverheirateten zur Kommunion veröffentlicht hatte, der in viele Sprachen übersetzt wurde. Die viel gefährlicheren Wölfe agieren jedoch im Hintergrund. Das sind Personen der römischen Kurie, die von Franziskus beiseitegeschoben worden sind. Zum Beispiel Kardinal Mauro Piacenza. Er war als Präfekt der Kleruskongregation sehr mächtig. Diesen Chefposten hat er durch Franziskus verloren. Oder zum Beispiel der äußerst konservative spanische Kardinal Antonio Canizares. Er war bis vor wenigen Wochen Chef der Gottesdienst-Kongregation in Rom und wurde nach Spanien wegbefördert, ins Erzbistum Valencia. Dann aber gibt es die sehr viel gefährlicheren Wölfe, die nie in den Vordergrund treten. Sie wirken im Schatten und kritisieren den Papst systematisch, indem sie sagen: »Ja, er ist ein sehr sympathische

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen