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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Glaubwürdig werden

von Thomas Seiterich vom 27.09.2013
Stuttgart: Viele Katholiken wollen eine barmherzige Kirche. Halbzeit beim Gesprächsprozess der Bischöfe

Die rund 300 Katholikinnen und Katholiken, die am Gesprächsprozess der Bischöfe als sitzungserprobte Delegierte ihrer Bistümer, Gemeinschaften und Verbände teilnehmen, sind unterwegs – doch wohin? Mitte September ging es beim Dialogtreffen in Stuttgart nicht bloß um die Frage, wie man heute Gottesdienste andächtig und einladend gestaltet. Es ging dabei um sehr viel mehr: ums Eingemachte, um das Selbstverständnis als Kirche.

Offizielles Dialogthema war die Liturgie. Wen will man mit der Sonntagsmesse ansprechen, die nur noch von 11,7 Prozent der Kirchenmitglieder besucht wird? Nur die Kerngemeinde? Ist auch in Zukunft diese Eucharistiefeier das Wichtigste, so wie bisher? Oder treten künftig andere, niederschwellige Segens- und Gottesdienstformen gleichwertig daneben? Wer steht in einer ziemlich priesterlosen Zukunft dem Gottesdienst vor, konkret: Was dürfen die Katholikinnen am Altar? Und: Wie kommt möglichst viel Welt in die sozial und kulturell oft enggeführte, weil auf die ältere Generation der Mittelschicht zugeschnittene Messe?

Im Schreckensherbst 2010, als die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche völlig darniederlag infolge sehr vieler, schrecklicher Verbrechen von sexuellem Kindesmissbrauch durch Geistliche und deren jahrelanger Vertuschung durch Bischöfe, hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, diesen Gesprächsprozess gestartet – zur Überraschung aller. Was er damit anstrebte? Den Wiedergewinn von Glaubwürdigkeit, so viel ist gewiss. Doch darüber hinaus war wenig klar.

Binnen drei Jahren haben sich nun die »Dialogiker« zu einem Reformzug formiert, der in manchen Bistümern die festgebackenen Kirchenstrukturen ein wenig auflockert. Stolz trägt Zollitsch beim gemeinsamen Abendessen in Stuttgart vor, dass in acht Diözesen bereits Gesprächsprozesse stattfinden.

Neuer Wind für die katholische Kirche in Deutschland? Viel kräftiger als der Gesprächsprozess scheint dafür der neue Papst Franziskus zu sorgen mit seinem radikalen Klimawechsel von der kühl dogmatischen Kirche des Vorgängerpapstes zur Kirche der Barmherzigkeit und Solidarität mit den Ausgegrenzten.

Der »Franziskus-Faktor« ist bei dem Gesprächstreffen zu spüren, an dem 35 Bischöfe teilnehmen. Sie bilden die aufgeschlossene Hälfte der Bischofskonferenz. Eindrucksvoll ist die lange

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