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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Der Jesuaner

von Hartmut Meesmann vom 27.09.2013
Papst Franziskus hat sein Anliegen deutlich gemacht: Er will eine andere Kirche – eine Kirche, die Wunden heilt und nicht richtet

Die einen sind zu Tränen gerührt, andere jubilieren, endlich wieder mit Stolz katholisch sein zu können, nichtkirchliche Beobachter sprechen verblüfft von einer »Sensation« und gar einer »Revolution«. Und in der Tat: Papst Franziskus verschiebt deutlich die Koordinaten seiner Kirche, die vielen als Inbegriff einer vormodernen, weltabgewandten und moralinsauren Institution gilt.

Der Argentinier auf dem Stuhl Petri will nicht nur eine Kirche, die vor allem den Armen in den Elendsvierteln und sozialen Brennpunkten ihr Herz schenkt. Er will eine Kirche des Dialogs, der Barmherzigkeit, der Wärme und der Zuwendung, eine Kirche, die den Menschen nicht von der hohen Warte aus moralische Gebote und Verbote um die Ohren haut, sondern den konkreten Menschen und seine jeweilige Lebenssituation und Gewissensentscheidung in den Blick nimmt. Er will eine Kirche, die endlich wieder mehr Verständnis für das Scheitern zeigt. Deshalb bezeichnet sich der Papst auch selbst als »Sünder«.

Nachzulesen ist all das in einem ausführlichen Gespräch, das der Argentinier den Zeitschriften seines Jesuitenordens weltweit gewährt hat. Franziskus sagt darin wörtlich: »Das, was die Kirche heute braucht, ist die Fähigkeit, Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit … Man muss unten anfangen ... Die Diener der Kirche müssen barmherzig sein, sich der Menschen annehmen, sie begleiten – wie der gute Samariter. Das ist pures Evangelium … Die Diener des Evangeliums müssen … ein Gespräch führen und in die Nacht hinabsteigen können, in ihr Dunkel, ohne sich zu verlieren.«

Suche nach der Balance

Franziskus wird und will die zentralen Lehren seiner Kirche nicht ändern, aber doch deutlich an die zweite Stelle rücken. Seelsorge geht vor, das ist seine Devise: »Wir können uns nicht mit der Frage der Abtreibung befassen, mit homosexuellen Ehen, mit Verhütungsmethoden. Das geht nicht.« Er habe bislang nicht viel über diese Themen gesprochen. »Das wurde mir vorgeworfen.« Aber wenn man sich schon mit diesen Fragen befasse, dann müsse man auch den jeweiligen Kontext beachten, in dem sich diese Fragen stellen, sagt der Papst. Das kann als Plädoyer für eine Situationsethik gelesen werden. Im Übrigen, sagt Franziskus, kenne man ja die Ansichten der Kirche, »und ich bin ein Sohn der Kirche. Aber man muss nicht endlos davon sprechen«.

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