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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Barfuß büßend durchdie Stadt

von Bettina Röder vom 27.09.2013
Fromm und politisch, aber nicht nur harmonisch:
Der Zweite Mitteldeutsche Kirchentag in Jena

Maria Panuta hat ihr bestes Kleidungsstück aus dem Schrank geholt. Nun sitzt die blonde junge Frau aus Russland mit den rot geschminkten Lippen im schneeweißen Jackett erwartungsvoll in der Stadtkirche St. Michael am historischen Markt von Jena. Sie ist in einem kleinen Bus mit zwanzig Frauen aus dem sächsischen Torgau an diesem 22. September zum Zweiten Mitteldeutschen Kirchentag angereist. Dass hier am Tag der Bundestagswahl gleich eine der Bibelarbeiten mit der Thüringer CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht beginnen wird, die von Haus aus evangelische Theologin ist, weiß sie nicht genau. Und eigentlich ist das für sie auch nicht wichtig. Sie lauscht den Klängen des Posaunenchores, genießt das warme Herbstlicht, das durch die gotischen Fenster scheint.

»Wissen Sie, wir sind hier, weil die evangelische Kirche uns die Türen öffnet, wir dazugehören können«, sagt Anna Koiber, die Leiterin der kleinen Gruppe im besten Deutsch. Nach den für sie nur teilweise verständlichen Ausführungen der Ministerpräsidentin zum Thema »Erleuchtung« hat sie sich gleich mit ihren »Mädels« auf den Weg gemacht, um zum Empfang der Russlanddeutschen im Uni-Gebäude zu laufen. Dort gibt es eine Ausstellung über Geschichte und Gegenwart der Aussiedler hierzulande.

Die Frauen, die daheim in Torgau allesamt keine Arbeit haben, aber ehrenamtlich engagiert sind, werden von der Aussiedlerseelsorgerin Christine Rothe begrüßt. In der kleinen Garderobe, in der das Gespräch mit ihnen stattfindet, umarmt sie jede herzlich. »Sehen Sie, so einfach geht's«, ruft Anna Koiber, die 2001 aus Omsk in Sibirien nach Deutschland kam. Damit meint sie die unverstellte Begegnung, die Achtsamkeit voreinander.

Das war es auch, was diesen regionalen Kirchentag in Jena ausmachte. Sein Motto: »Mit einem Fuß im Paradies«. 6000 Menschen aus der nahen und fernen Umgebung waren gekommen, eine Anmeldung oder einen Tagungsbeitrag gab es nicht. »Viele sind noch nicht einmal mit dem kleinen Zeh im Paradies«, hatte der Wittenberger Studienleiter Curt Stauss gesagt, der für das Zentrum Gesellschaft, Demokratie und Toleranz, eins der vier Zentren, zuständig war. - Eine Anspielung auch auf die Situation in anderen Ländern und die zahlreichen Flüchtlinge, die zu diesem Kirchentag gekommen waren. Vor allem Roma berichteten in Workshops über ihre Situation.

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