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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Wann kommt der Ruck?

von Thomas Seiterich vom 21.09.2012
Dialogprozess in Hannover: Katholische Bischöfe suchen Kontakt zu modernen Lebenswelten

Die katholische Kirche in Deutschland soll heraus aus der Krise. Dies kann nur mit einer neuen Dialogkultur zwischen »oben« und »unten« gelingen. Deshalb hat Robert Zollitsch, der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, als erfahrener Kommunikator und Kirchenmanager einen Dialogprozess gestartet, unter dem Motto »Im Heute glauben«. Das geschah mitten im Desaster 2010, als das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche völlig am Boden waren, nach der Aufdeckung zahlloser sexueller Gewaltverbrechen an Kindern, verübt durch Priester und jahrelang vertuscht durch oberkirchliche Behörden.

Der Dialogprozess startete im Sommer 2011 mit einem gruppendynamischen Treffen von Bischöfen und rund 300 Laienvertretern in Mannheim. Am Ende stand die Forderung nach einer barmherzigen Kirche (Publik-Forum 14/11). Am vergangenen Wochenende nun war die zweite Etappe in Hannover. Das Thema, formuliert in typischem Amtskirchendeutsch: »Die ›Zivilisation der Liebe‹ – unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft«.

16 der insgesamt 27 deutschen Diözesanbischöfe, 17 Weihbischöfe und 300 Delegierte aus dem katholischen Deutschland kamen zu dem Treffen. Die Delegierten, mehrheitlich Herren gesetzten Alters, viele Verbandsfunktionäre, haben schon manche Konflikte mit der Kirchenleitung ausgetragen und Krisen bewältigt.

Diese Gremienkatholiken klatschen überrascht und erfreut, als der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der als Vertreter der Konservativen im bischöflichen Dialog-Team mitarbeitet, in seiner Eröffnungsrede die »notwendige Vielfalt der Lebensverhältnisse« in Kirche und Gesellschaft begrüßt. Overbeck widmet sich den gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und redet mit Hochachtung über Schwule und Lesben. Er heißt sie in der Kirche willkommen. Über homosexuelle Partnerschaften sagt er: »Auch wenn die Kirche diese Lebensform nicht als Institution anerkennen kann, verbietet sie jegliche Diffamierung und ungerechte Zurücksetzung gleichgeschlechtlich veranlagter Menschen.« Um dieser offenen Position Fundament zu geben, zitiert Overbeck die Stellen im Katholischen Katechismus, die jede Diskriminierung von Schwulen und Lesben verbieten. Ferner müsse die Kirche »im Geist des Evangeliums die Botschaft von der Beziehung der Geschlechter so verkünden, dass sie

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