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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Aus für Abrahams Herberge

von Thomas Seiterich vom 21.09.2012
Dem Flaggschiff unter den Hilfsprojekten der deutschen Protestanten in Palästina droht der Untergang

Kaum ein Palästina-Hilfsprojekt evangelischer Christen und Landeskirchen aus Deutschland war in den letzten Jahren so glanzvoll und so profiliert wie Abrahams Herberge. Das christliche Tagungshaus und Komforthotel in Beit Jala, einer von arabischen Christen geprägten Nachbarstadt von Bethlehem, diente der Begegnung von Juden, Christen und Muslimen. Doch jetzt droht das Ende.

Die Grundidee hatten in den 1990er Jahren der junge Pastor der lutherischen Gemeinde von Beit Jala, Jadallah Shihadeh, und seine deutsche Ehefrau, die Pädagogin Hannelore Shihadeh, formuliert: Da alle drei monotheistischen Religionen den Stammvater Abraham verehren, könnten sie wie Geschwister sein. Diese »abrahamische Ökumene« sollte das Haus pflegen. Ein Leuchtturmprojekt für das friedliche Miteinander in Palästina, das seit 45 Jahren von Israel besetzt ist und unter Krieg, Gewalt und Besatzung leidet.

Als theologisches Leitbild des Hauses diente die ökumenische Vision der »versöhnten Verschiedenheit«, wie sie von evangelischen Kirchen in Westeuropa beschrieben wird. Die 12 000 arabische Bürger zählende Stadt Beit Jala eignete sich gut für das Projekt, denn die Mehrheit der Einwohner ist christlich. Die hoch angesehene evangelische Schule Talitha Kumi (»Mädchen, steh auf!«) arbeitet seit 1959 vor Ort. Die Türme von sechs Kirchen und zwei Minaretten prägen das Stadtbild, 758 Meter Höhe sorgen für ein erträgliches Klima, und die Religionsmetropolen Bethlehem und Jerusalem liegen ganz in der Nähe.

In Deutschland öffneten sich dem Pastorenehepaar Shihadeh viele Türen. Evangelische Landeskirchen, Missionswerke und viele Gemeinden investierten in die große Idee. Bundespräsident Johannes Rau unterstützte früh die Initiative. Pastor Shihadeh lud zur Friedenswoche in Abrahams Herberge, am Reformationstag 2008 predigte die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen im interreligiösen Gottesdienst, neben Rabbi Arik Ashermann von der israelischen Friedensbewegung, dem blinden, islamischen Scheich Joseph aus Beit Jala sowie orthodoxen und katholischen Geistlichen. Schwierig wurde die Begegnungsarbeit, als der Staat Israel seinen Bürgern den Aufenthalt im besetzten Palästina bei Strafe untersagte. Begründet wurde das Verbot mit den palästinensischen Selbstmordattentaten und Terror während der Zweiten Intifada, dem Volksaufstand der

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