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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Was es heißt, glücklich zu sein

von Bettina Röder vom 20.09.2011
Armenier dürfen bleiben. Dank Pro Asyl und einer Stadt

Was es heißt, wirklich glücklich zu sein, das hatte Artur Baveyan in all den Jahren der großen Angst und Ungewissheit vergessen. Mehr als ein Jahrzehnt lebte der Armenier mit seiner Familie in Deutschland, die Abschiebung war nur ausgesetzt. Immer wieder musste er zur Ausländerbehörde, um die Duldung zu verlängern. Das galt auch für seine Frau und seine in Deutschland geborenen Kinder: den zwölfjährigen Sohn Geworg und die neunjährige Anne Marie. Anfang August dann kam die Schreckensmeldung. Sie alle sollten aus Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern abgeschoben werden. Doch die Menschen in der Stadt machten sich für die Familie, die sie zwischenzeitlich sogar versteckten, stark. Wie auch viele im Land. Nun dürfen Artur Baveyan, seine Frau und seine Kinder bleiben. Drei Jahre Aufenthalt sind sicher. Das verkündete vor nicht allzu langer Zeit der zuständige CDU-Innenminister Lorenz Caffier. »Wir sind sehr, sehr glücklich«, sagte Familienvater Baveyan. Und dann fiel dieser Satz: »Dieses Gefühl ist für uns neu.«

Mitgewirkt daran hat nicht unmaßgeblich Pro Asyl. Wie so oft, wenn Menschen die Abschiebung droht, hat der bundesweite Verein sich eingemischt, mit Sachkompetenz für die Rechte der Ausländer gekämpft. Als der zuständige Landrat von Doberan die nach Auskunft vieler Kühlungsborner bestens integrierte Familie abschieben wollte, hat sich Pro-Asyl-Vorstandsmitglied Heiko Kauffmann mit einem gewichtigen Argument zu Wort gemeldet. Er pochte auf ein erst jüngst verabschiedetes Recht. Im Sommer vergangenen Jahres hatte die Bundesrepublik die längst verabschiedete Kinderrechtskonvention umfänglich ratifiziert. Was bedeutet, dass sie auch für hier lebende Flüchtlingskinder gilt: Kindern ohne deutschen Pass müssen demnach die gleichen Rechte gewährt werden wie deutschen Kindern. Passiert das nicht, verstößt die Bundesrepublik gegen völkerrechtlich verbindliche Bestimmungen. Heiko Kauffmann machte klar: »Es liegt auf der Hand, dass die Abschiebung von Kindern, die hier geboren und bestens integriert sind, die Kinderrechtskonvention verletzt.«

Der Verein Pro Asyl, der in diesem Monat sein 25-jähriges Bestehen feiert, hat sich mit vielen anderen – auch Verbündeten aus dem Bundestag – für diese umfassende Ratifizierung der Kinderrechtskonvention stark gemacht. Doch Realität ist sie noch längst nicht. Mit einer bundesweiten Kampagne »jetzt erst recht« gibt Pro Asyl

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