Die Religiosität von Milchkühen
Roman. Wie ist es, in der religiösen Enge eines streng calvinistischen Dorfes aufzuwachsen? Davon handelt der Roman »Das Testament der Kühe« von Klaas Huizing, der die Kindheit und Jugend von Hendrik Hemsterhuis in den 1960er- und 1970er-Jahren in einem Dorf an der deutsch-niederländischen Grenze erzählt. Von seiner Geburt an steht fest, dass Hendrik später einmal das Familienunternehmen übernehmen wird. Der Druck der Erwartung lastet schwer auf dem Jungen, dabei wollen alle nur sein Bestes. Allen voran die Mutter, die ihren einzigen Sohn wegen seiner schwachen Konstitution »verzärtelt«, besonders gerne mithilfe von Homöopathie. Diese setzt sie auch ein, um ihren Sohn davon zu »kurieren«, leicht bekleidete Frauen im Quellekatalog zu betrachten. Außerdem ist da die strenggläubige Großmutter, die traurig darüber ist, ihre Freundinnen im Himmel nicht wiedersehen zu können, weil sie der falschen Kirche angehören – der lutherischen statt der »wahren kleinen Kirche der Holländisch-Reformierten«. Sie hält große Stücke auf den Pfarrer, der jeden Sonntag predigt, dass der Mensch durch und durch böse ist. Und Hendriks Vater verbietet seinem Sohn den Fußball, da die Spieltage auf den heiligen Sonntag fallen.
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