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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

Austausch in beide Richtungen

von Heike Baier vom 06.09.2019
Ein Verein ermöglicht Freiwilligendienste für Menschen aus dem Süden

Helfen ist gar nicht so einfach: Ohne Einfühlungsvermögen missrät Hilfe leicht zur Geste von Überlegenheit. Diese Lektion lernen viele junge Freiwillige, die nach dem Abitur voller Idealismus in die Welt reisen, um »etwas Gutes« zu tun. Zum Beispiel mit dem staatlich geförderten Programm Weltwärts oder mit einem der kommerziellen Kurzfreiwilligendienste. Sie kehren zurück voller Eindrücke und mit manchem Zweifel: Selbst kaum erwachsen, haben sie in Südamerika oder Afrika Waisenkinder betreut oder Schulklassen unterrichtet, ohne je dafür die Kompetenzen erworben zu haben. Auch die Studentin Alina Pröckl kehrte mit diesem Zweifel von ihrem Weltwärts-Jahr in Peru zurück. Sie fand Rückkehrer, denen es ebenso ging, im Verein Zugvögel – Grenzen überwinden und schloss sich der Gruppe an ihrem Studienort Lüneburg an. »Die meisten von uns haben einen Freiwilligendienst gemacht und kamen total bereichert zurück. Wir hatten eine Sprache gelernt und Auslandserfahrung gesammelt – aber im Endeffekt im Gastland keinen Mehrwert hinterlassen.« Denn die mühsam ausgebildeten Helfer werden nach einem Jahr wieder ausgetauscht. »Wir empfinden es als unfair, dass junge Menschen aus dem globalen Süden nicht die gleichen Chancen haben, einen Freiwilligendienst im Norden zu leisten. Dass wir überall hinreisen dürfen, sie jedoch nicht.«

Die Zugvögel setzen sich gegen solche »postkolonialen Machtstrukturen« ein. Sie kämpfen für die Bewegungsfreiheit aller – veranstalten etwa Flashmobs, Vorträge oder Pub-Quizze. Vor allem aber organisieren sie seit 2012 Freiwilligen-Einsätze in Deutschland für Menschen aus dem Süden. Sie sind damit unter den Ersten, die über Weltwärts einen Süd-Nord-Austausch auf die Beine stellten. Die Bilanz ist noch ungleich: 34 000 Deutsche gingen bis 2018 über Weltwärts in den Süden, nur 1500 kamen hierher. Im Herbst holen die Zugvögel sechs Freiwillige aus Ruanda, Ecuador und Mexiko für ein Jahr nach Deutschland. Finanziert wird das zu 75 Prozent vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Rest aus Mitgliederbeiträgen und Spenden. Das Besondere an den Zugvögeln ist, dass sowohl die Auswahl in den Partnerländern als auch die Begleitung der Freiwilligen in Deutschland komplett ehrenamtlich gestemmt wird. »Am Schwierigsten ist es«, sagt Alina Pröckl, »Gastfamilien zu finden.« In Lüneburg, Karlsruhe und Heidelberg werden Gastg

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