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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Ostereier, Ramadan und Abraham

von Sandra Hämmerle vom 07.09.2018
Die »Drei-Religionen-Grundschule« in Osnabrück nimmt interreligiöses Lernen ernst. Fragen an Schulleiterin Birgit Jöring

Publik-Forum: Frau Jöring, Ihre Grundschule wird zwar von der katholischen Schulstiftung getragen, nennt sich aber „Drei-Religionen-Schule«. Was ist das Besondere?

Birgit Jöring: Wir möchten, dass jedes Kind in seiner eigenen Religion auskunftsfähig wird. Dazu müssen Kinder zuerst etwas über ihre eigene Religion lernen, damit sie sich anschließend in den Dialog mit anderen begeben können. Den Dialog wollen wir genauso fördern wie das Bewusstsein der eigenen Wurzeln. Daher gibt es getrennten evangelischen, katholischen, jüdischen und islamischen Religionsunterricht und gemeinsame thematische Projekte.

Wie klappt das im Alltag?

Jöring: Wir haben ein eigenes Schulcurriculum, Konzepte für Projekttage und vieles mehr. Die Figur Abraham wird zum Beispiel von allen Religionsklassen in der gleichen Jahrgangsstufe behandelt, damit sich die Kinder anschließend austauschen können. Unser Fachbeirat, der uns in religiösen Fragen berät, funktioniert gut. Dort wird etwa überlegt, ob alle Kinder Ostereier gestalten können oder nur die christlichen. Gleiches gilt analog für die Gestaltung von Sedar-Tellern und Ramadan-Leuchtern.

Zu welchem Ergebnis kam der Rat bei Ostereiern, Tellern und Leuchtern?

Jöring: Er hat unsere Liste von Bastelvorlagen bestätigt, nach der alle Kinder beim Schmücken des Schulhauses mitarbeiten können. Wir haben natürlich darauf geachtet, dass bei der Verzierung von Ostereiern kein Kreuzmotiv verwendet wird.

Wie gehen Sie mit Unterschieden in denHeiligen Schriften um?

Jöring: Wir haben ein eigenes »Heilige-Schrift-Projekt«. Die Kinder lernen etwas über Thora, Koran und Bibel und erfahren im Austausch, dass es Unterschiede im Umgang mit der Schrift gibt. Ein Mädchen erfuhr zum Beispiel durch ihre muslimische Freundin, dass man den Koran gar nicht ohne Weiteres anfassen dürfe. Bei einer Ausstellung von religiösen Alltagsgegenständen haben deshalb die Kinder vorgeschlagen, man solle es gestalten wie ein Museum, mit Absperrband, damit man nicht versehentlich falsch mit den Gegenständen der Religionen umgeht. Hier spüren wir, dass die Kinder großen Respekt und ein geschultes Bewusstsein entwickeln.

Wenn Kindern diese Autorität zugestanden wird,

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