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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Die heiligen Schriften – kinderleicht?

Neben Kinderbibeln gibt es mittlerweile auch Kinderthora und Kinderkoran. Aber nicht alle sind begeistert

Die meisten Christen bekommen ihre erste Bibel quasi in die Wiege gelegt. Darin finden sich ausgesuchte Geschichten in kindgerechter Sprache mit hübschen Illustrationen wie zum Beispiel von Jesus als dem guten Hirten. Bis heute wurden mehr als tausend verschiedene Kinderbibeln veröffentlicht. Juden und Muslime kennen diesen selektiven pädagogischen Umgang mit den Heiligen Schriften in der Regel nicht. In den Liturgien werden die Originaltexte der Thora (auf Hebräisch) oder des Korans (auf Arabisch) gelesen. Doch auch jüdische und muslimische Eltern wollen ihren deutschsprachigen Kindern den Zugang zur jeweiligen Schrift eröffnen. Allerdings gibt es dabei auch ein paar Stolpersteine.

Schon die Übersetzung in eine kindgerechte Sprache ist eine echte Herausforderung. Die Kinderthora zum Beispiel soll Kinder zur Teilhabe am Gottesdienst befähigen, die Texte müssen also auf Hebräisch gekannt und verstanden werden, um der Liturgie folgen zu können. Für Muslime ist der Koran geoffenbartes Gotteswort, das durch die Übersetzung an Transzendenz verliert. Im Offenbarungsverständnis zeigt sich zugleich ein maßgeblicher Unterschied des Korans zu Bibel und Thora: Nach christlicher Überzeugung hat sich Gott in Jesus Christus offenbart, nach jüdischer in seiner Geschichte mit dem Volk Israel. Bibel und Thora geben jeweils ein durch Menschen vermitteltes Zeugnis von Gottes Gegenwart, während für Muslime der Koran selbst Gottes gesprochene Offenbarung ist. In der Rezitation der Koranverse ist Gott anwesend. »Die Bibel erzählt von Gott, im Koran spricht Gott selbst«, sagt Lothar Kuld, katholischer Theologe und Religionspädagoge in Weingarten.

Die Herausgeberinnen, die Thora und Koran kindgerecht aufbereiten, sind