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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Neuanfang in Marrakesch

von Claudia Mende vom 07.09.2018
Alleinerziehende Frauen werden in Marokko häufig diskriminiert. Sie stellen das traditionelle Familienbild infrage. Doch die Verhältnisse ändern sich langsam

Das Klappern der Töpfe ist verstummt und die Küche aufgeräumt. Es ist Mittagspause im Trainingszentrum in Marrakesch. Die Auszubildenden sitzen rund um einen großen Tisch im Freien. In ihren weißen Kitteln, orangen Schürzen und schwarzen Kopftüchern essen sie jetzt selbst. Rund 35 Frauen pro Lehrgang machen bei der gemeinnützigen Organisation Amal eine Ausbildung zur Köchin. Sie lernen marokkanische Gerichte wie Couscous und Tajine zuzubereiten, aber auch Pizza und Nudelgerichte. Daneben stehen Süßspeisen, Kuchen und Service auf dem Programm. Nur Witwen, Waisen, Geschiedene und Alleinerziehende, die unter der Armutsgrenze leben und Kinder haben, dürfen teilnehmen. Für viele ist es die erste Ausbildung in ihrem Leben, manche können nicht einmal lesen und schreiben.

Amal bedeutet Hoffnung, und Zuversicht brauchen die alleinstehenden Frauen, denn sie haben es in der marokkanischen Gesellschaft besonders schwer. Sie müssen nicht nur materiell ohne den Rückhalt einer Familie auskommen. Geschiedene und ledige Mütter haben zusätzlich mit Diskriminierung zu kämpfen, denn nach Ansicht Konservativer dürfte es sie gar nicht geben. Viele Familien lehnen sie und ihre Kinder ab, überlassen sie einfach ihrem Schicksal.

Mona, 31 Jahre alt, ist Mutter eines Sohnes und einer Tochter. Ihren echten Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Sie wischt ihre Hände an der Schürze ab und fängt an zu erzählen, wobei sie nervös ihre Finger knetet. Ihre Lebensgeschichte hat es in sich. Es ist gar nicht einmal die Scheidung, die hat ihre Familie akzeptiert. Ihr Exmann – Vater ihrer Tochter – trank und schlug sie. Das war zu viel, fand ihr Vater und half ihr, die Trennung einzuleiten.

Unehelicher Sex? Verboten!

Mona profitierte dabei von der Reform des Familienrechts aus dem Jahr 2004. Seitdem dürfen Frauen bei Gericht die Scheidung einreichen. Sie haben Anspruch auf das Sorgerecht für die Kinder und Unterhalt, auch wenn dieser mit 450 Dirham (etwa vierzig Euro) pro Kind und Monat eher dürftig ausfällt. Monas Ehemann zahlte nichts, wie viele Männer. Vor der Reform war eine Scheidung durch die Frau nicht vorgesehen: Islamische Konservative legen den Koran so aus, dass nur der Mann das Recht hat, sich von seiner Frau zu trennen. Heute können Frauen gerichtlich um den Unterhalt streiten. Viele tun dies aber nicht, weil die Verfahre

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