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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Kinderleichte Beute

Ein Prozess in Berlin enthüllt die Strategie von Pädosexuellen – und zeigt die schwierige Aufgabe der Sozialarbeiter

Die Jungs waren sechs, neun, zehn und zwölf Jahre alt, als es das erste Mal passierte. Sex mit Jens. Ansonsten war Jens eigentlich okay. Für einen Erwachsenen über vierzig. Zumindest kümmerte er sich. War da. Man konnte ihn anrufen. Bei ihm abhängen. Er kaufte Essen für die Familien der Jungs ein. Er fuhr sie mit seinem grünen VW-Bus herum, mal ging es ins Schwimmbad, ins Kino. Das war Teil seines Plans: Jens war kein brutaler Vergewaltiger. Keiner, der an Spielplätzen lauerte. Jens hatte es geschafft, dass die Kinder freiwillig zu ihm gingen. Mitmachten. Ja, manche brachten noch jüngere Brüder und noch jüngere Freunde für Jens mit.

Jens konnte jahrelang agieren, ein Junge nach dem nächsten, von 2002 bis 2009. Bis die Polizei kam. Insgesamt geht es um 379 einzelne Taten, die die Staatsanwaltschaft Jens B. vorwirft. Sein Fall offenbart Strukturen, die solche Verbrechen überhaupt erst möglich machen. 2017 sehen sich Jens und die Jungs wieder. Vor dem Berliner Kriminalgericht. Jens, geboren 1965, aufgewachsen in Glienicke/Nordbahn, selbstständiger Maurermeister, bei seiner Mutter lebend, auf der Anklagebank. Die Jungs, es sind elf Opfer, die ermittelt werden konnten, als Zeugen. Wieso sind sie zu Jens gegangen, haben sich dieser Tortur ausgesetzt? Und welche Folgen hat das?

Paragraf 176: »Wer sexuelle Handlungen an einer Person unter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich von dem Kind vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren bestraft.«

Ohne Heimat und ohne Halt

Pavel ist einer von ihnen, einer von Jens’ Jungs. 22 Jahre ist er alt, stämmig gebaut, mit kurzen und nach hinten gegelten Haaren. Zehn Jahre liegen die Ereignis