Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:

Ein Glaube in zwei Welten

von Elisabeth Zoll, Thomas Seiterich vom 08.09.2017
Das große islamische Bekenntnistreffen: 40 000 Ahmadis erklären als Muslime ihre Loyalität mit Deutschland

Liebe für alle, Hass für keinen«. Unter diesem Motto reisen rund 40 000 Muslime am letzten Wochenende im August nach Karlsruhe. Es ist das größte jährliche islamische Glaubenstreffen in Deutschland. Die Besucherzahl erreicht die Zahl der Dauerteilnehmer an einem Katholikentag. Doch unterschiedlicher könnten die religiösen Großevents kaum sein: Kirchentage beider Konfession erstreben möglichst hohe Außenwahrnehmung. Deshalb füllen sie mit ihren Fahnen, Spruchbannern und Schals den öffentlichen Raum der Gastgeberstadt.

Von der Jalsa Salama dagegen, dem festlichen Jahrestreffen der Ahmadiyya-Muslime, die aus sechzig Ländern angereist sind, sieht man in Karlsruhe nichts. Denn die zu über achtzig Prozent pakistanischstämmigen Ahmadis bilden wegen ihrer Theologie ein Sicherheitsproblem. Viele genießen Asyl. Denn in der islamischen Welt werden die Ahmadis verfolgt, da sie glauben, 1889 sei mit ihrem Gründer, Kalif Mirza Ghulam Ahmad, der »verheißene Messias« und endzeitliche Prophet gekommen. Dies verurteilt der Mehrheitsislam als todeswürdigen Abfall vom Propheten Mohammed.

Deshalb feiern die Ahmadis im Beisein ihres heutigen Kalifen nahezu unsichtbar. Nur am Eingang Süd des Hauptbahnhofs steht ein Partyzelt mit dem hellblauen Schriftzug »Liebe für alle«. Dort organisieren Freiwillige im Schichtdienst den Shuttle-Busverkehr in das hoch gesicherte Messezentrum außerhalb der Stadt.

Der Jubel ist groß, als der wie ein Papst verehrte Mirza Masroor Ahmad im weißen Prachtturban nach dem Hissen der deutschen und der Ahmadiyya-Fahne zum Freitagsgebet schreitet. Der frühere Agrarexperte und Entwicklungshelfer residiert wegen der Verfolgung in London. Der Kalif ist auf Lebenszeit gewählt als spirituelles Oberhaupt der Glaubensgemeinschaft.

Im Dialog mit Journalisten zeigt sich der 67-Jährige präsent und locker: Es sei »kein Widerspruch, Muslim und demokratischer Staatsbürger zu sein«, betont er. Er lege den Islam verbindlich aus für die Nöte der Zeit – »so wie schon meine Vorgänger im Amt des Kalifen«. Zwar würden Homosexuelle im Koran und der Bibel verurteilt. »Doch wir dürfen keinem von ihnen Schlechtes antun.« Sie seien ihm »in der Moschee willkommen«. Den Papst betrachtet der Kalif als eine Art Kollegen: »Papst Franziskus ist praktisch der Kalif für die Christen.«

Männer

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen