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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:

Die Lüge der sicheren Rente

von Norbert Copray vom 08.09.2017
Wie die gesetzliche Rente zerstört wird. Und was zu tun wäre

Holger Balodis/Dagmar Hühne
Die große Rentenlüge
Warum eine gute und bezahlbare Alterssicherung für alle möglich ist. Westend. 208 Seiten. 18 €

Das Buch beweist: Unser Rentensystem ist marode. Das derzeitige Herumdoktern an diesem scheinbaren Sicherungsgerüst für das Alter bringt nicht Besserung, sondern stabilisiert allenfalls die Risiken und Mängel für die Einzelnen. Nur Beamte und hauptberufliche Politiker sind meist sorgenfrei. Alle anderen müssten eigentlich nach Reformvorschlägen Ausschau halten, die die Grundübel des Systems beseitigen. Doch die wahlkämpfenden Parteien bieten keine Lösungen, sondern allenfalls Schönheitsreparaturen an.

Was Holger Balodis und Dagmar Hühne, seit dreißig Jahren erfahrene Verbraucherberater und Experten in Fragen von Altersvorsorge, Versicherungen und Finanzen, in ihrem Buch beschreiben, lässt nur einen Schluss zu: Wir haben ein Renten-Desaster.

Um das Rentensystem zu stabilisieren, wurde mithilfe medialer Unterstützung und gut vernetzten Lobbyorganisationen ab 2001 die sogenannte Drei-Säulen-Rente erfunden. Sie besteht aus der abgesenkten gesetzlichen Rente, der privaten Altersvorsorge und der Betriebsrente. Damals versprach Bundesarbeitsminister Walter Riester: »Jeder Rentner und jede Rentnerin wird nicht nur heute, sondern auch in Zukunft mehr Rente erhalten als nach dem alten Recht.« Kein Wunder, dass das Modell als »Riester-Rente« bezeichnet wurde.

Es wird jedoch anders kommen. Dass der Kapitalmarkt zur privaten Altersvorsorge gerade von Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen keinen Beitrag leisten wird, haben Kritiker früh und deutlich angemahnt. Und die Betriebsrente ist inzwischen zu einer vom Arbeitnehmer weitgehend selbst finanzierten Entgeltumwandlung geworden, bei der private Versicherer gut mitverdienen. Der umgewandelte Gehaltsteil schmälert auch noch die Berechnungsbasis für die gesetzliche Rente! Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge meint zu Recht, dass die Betriebsrente ihren Namen nicht verdient, »denn es handelt sich um eine vom Betrieb initiierte, zusätzliche private Altersvorsorge«. Also letztlich nur eine weitere Variante der Riester-Rente.

Die Autoren durchdringen gut verständlich den Renten-Dschungel und vertreiben den Rauch der Nebelkerzen, mit denen auch die derzeitige Arbeitsministerin Andrea

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