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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:

Der Unbeugsame

von Lena Renner vom 08.09.2017
Aufgefallen: Anu Muhammad muss mit Morddrohungen leben, weil er gegen ein geplantes Kohlekraftwerk nahe den Mangroven von Bangladesch kämpft

Ruhig und bescheiden wirkt der Sechzigjährige, der mir in der Redaktion von Publik-Forum gegenübersitzt. Nur schwer vorstellbar, dass er einer der führenden Oppositionellen von Bangladesch ist. Gutgelaunt erzählt Anu Muhammad von seinem Kampf gegen die Regierung, von polizeilicher Überwachung und den mehrfachen Morddrohungen, die er erhalten hat. Auf die Frage, ob er da nicht furchtbar Angst habe, lächelt er: »Was soll man machen? So ist das eben, wenn man im Krieg ist.«

Seit sechs Jahren streitet Anu Muhammad unermüdlich für den Erhalt der Sundarbans – der weltgrößten Mangrovenwälder, die von der Unesco als Weltnaturerbe ausgezeichnet wurden. Sie schützen auch vor Zyklonen und Überschwemmungen, wie sie Bangladesch gerade erlebt. Die Pläne der Regierung könnten dem Naturparadies jetzt ein jähes Ende bereiten: Nur wenige Kilometer nördlich der Waldgrenze soll das Kohlekraftwerk Rampal entstehen, das den Bestand der Sundarbans erheblich gefährden würde. Und das, obwohl Bangladesch die besten Voraussetzungen für die Gewinnung erneuerbarer Energien hätte. »An 350 Tagen im Jahr scheint hier die Sonne«, erklärt Muhammad. Solaranlagen würden sich daher lohnen. Seit über dreißig Jahren ist er als Wirtschaftsprofessor an der Jahangirnagar Universität in Dhaka tätig. Er weiß also, wovon er spricht.

Die Regierung hält jedoch starr an ihren Plänen fest. Seit Beginn der Auseinandersetzung haben sich die Fronten dabei zunehmend verhärtet. »Sie haben uns den Krieg erklärt«, stellt Muhammad fest, und erzählt von Tränengas und Gummikugeln, von brutalen Angriffen der Polizei auf Demonstranten und von Verhaftungen.

Wie aber schafft er es, sich trotz alldem nicht unterkriegen zu lassen? Wichtig ist für ihn das Verantwortungsgefühl gegenüber zukünftigen Generationen. »Es geht um so vieles: Gerechtigkeit, Menschenrechte, die Umwelt.« Auch die Unterstützung der Zivilgesellschaft gebe ihm viel Kraft. Und die seiner Frau: Der säkulare Muslim ist mit einer Buddhistin verheiratet.

Geboren wurde Muhammad in einem Dorf im Bezirk Jamalpur. Seine Mutter starb, als er elf Jahre alt war. Gemeinsam mit zehn Geschwistern wuchs er mit seinem Vater und dessen neuer Frau auf. Schon seit seiner Jugend setzt sich Muhammad für soziale Gerecht

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