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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was folgt aus der Wahl?

von Markus Dobstadt vom 09.09.2016
Fragen an den Bischof der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit, zum Sieg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern

Publik-Forum: Herr Abromeit, der Erfolg der AfD beruhte auf der Angst vor Flüchtlingen. Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Hans-Jürgen Abromeit: Die Angst vor Überfremdung ist rational völlig unverständlich. Mecklenburg-Vorpommern stand noch nie so gut da, wirtschaftlich geht es aufwärts. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei drei Prozent.

Wie lässt sich der Widerspruch erklären?

Abromeit: Dort, wo es wenige persönliche Erfahrungen mit Menschen aus anderen Ländern gibt, kochen Medienberichte wie in einem Treibhausklima hoch. Was in der Kölner Silvesternacht passiert ist, wird als das normale Verhalten von Flüchtlingen dargestellt, was eine völlige Verzerrung der Realität ist. Wir haben in unserem Bundesland mit Flüchtlingen keine Probleme! Im Gegenteil, wir hören, dass sie sogar gerne hierherkommen, weil die Asylverfahren relativ kurz sind. Umso trauriger ist, dass die künstliche Diskussion die Wahl bestimmt.

Fühlen sich die Menschen von der Politik vernachlässigt?

Abromeit: Es gab sicher auch Versäumnisse, die Schließung der Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Wolgast etwa ist mit großem Unwillen registriert worden. Aber auf dem dünn besiedelten Land kann nicht der gleiche Standard an Versorgung vorgehalten werden wie etwa in Nordrhein-Westfalen. Wir brauchen für ländliche Räume neue Konzepte. Das muss vermittelt werden. Es gibt nicht wenige, die sich vergessen fühlen.

Spielt die Debatte über Flüchtlinge in der Kirche eine Rolle?

Abromeit: Viele behaupten sogar, die Kirche habe zurzeit kein anderes Thema. Wir haben Stellen eingerichtet zur Unterstützung. Besonders die AfD kritisierte das. Aber die realen Probleme spielen nicht in erster Linie eine Rolle. Es ist ein mentales Problem.

Nächstes Jahr ist Bundestagswahl. Müssen die Kirchen in Deutschland mehr tun?

Abromeit: Die Kirchen engagieren sich sehr. Was ich mir von der Politik erhoffe, ist, dass man die Flüchtlingsaufnahme im vergangenen Jahr nicht als Fehler der Bundeskanzlerin abtut. Die Verantwortlichen in CDU, CSU und SPD sollten versuchen, der Bevölkerung zu erklären, dass es keine Alternative gab und man viel tut, um die Mensch

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