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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Buch des Monats: Luthers Vermächtnis

von Norbert Copray vom 09.09.2016
Worin besteht der bleibende Sinn der Rechtfertigungslehre?

Ottmar Fuchs
Die andere Reformation
Ökumenisch für eine solidarische Welt.
180 Seiten. 14,90 €

Mit Martin Luther über Martin Luther hinaus denken – geht das? Ottmar Fuchs, bis 2014 Professor für praktische Theologie in Tübingen, nimmt seinen Ausgangspunkt beim Ringen Martin Luthers über ein vor Gott gerechtes und damit gerechtfertigtes Leben. Er zeichnet den Werdegang Luthers nach - bis zu jenem Punkt, an dem er erkennt, dass er seine Gerechtigkeit nicht selbst herstellen kann, sondern dies als Gnade Gottes geschenkt bekommt – wie alle anderen Menschen. Das ist die reformatorische Grunderfahrung. Doch »sich bedingungslos lieben zu lassen ist nicht einfach«. Fuchs trifft damit einen Punkt, der für das ganze Christentum in seiner Tragweite noch nicht ausreichend erfasst ist. Deshalb braucht es »eine andere Reformation um der authentischen Zukunft der Kirchen willen«, meint Fuchs. Konfessionalistische Auseinandersetzungen müssen der »gemeinsamen Auseinandersetzung um eine ökumenische Zukunft des Christentums zum ›Heil der Welt‹ weichen«.

Die Geschichte Luthers und der Kern seiner Glaubenserfahrung ist allgemein bekannt, wenn auch leider nicht bis in ihre mystischen Wurzeln (vergleiche Stichwort »Mystischer Martin Luther«, in: Publik-Forum 6/2016). Fuchs, der sich selbst als »lutherischer Katholik« bezeichnet, greift die Rechtfertigungslehre auf und entwickelt sie weiter. Denn obwohl es seit 1999 eine »Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre« der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchen gibt, ist Fuchs der Ansicht, dass r beide Kirchen sie noch nicht eingelöst haben. Die Herausforderung besteht jedoch nicht darin, über die Lehre zu streiten, sondern sie »ökumenisch für eine solidarische Welt« neu fruchtbar zu machen.

Ottmar Fuchs versteht die Gnade der bedingungslosen, rechtfertigenden Gottesliebe als »Vollzug seiner Gerechtigkeit, also kein Willkür-, sondern ein Rechtsakt. Die Gnade ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel, von der es keine Ausnahmen gibt«. Diesen Grundgedanken dekliniert er in seinem Buch durch. Er erweitert dabei den Reform- und Reformationsgedanken und zeigt das Risiko an, sich selbst zu verfehlen, wenn sich Menschen wegen ihres vermeintlich wahren Glaubens über Nichtgläubige, Randständige, Ungläubige, Sünder und Gescheiterte erheben. Keine Ausg

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