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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Hausrecht im Internet

von Josefine Janert vom 09.09.2016
Nackte Haut oder politische Kommentare: Facebook & Co. löschen willkürlich Beiträge. Dürfen die das?

Auch er sei schon von Facebook zensiert worden, erzählt der Netzaktivist Jörg Kantel aus Berlin. Er wirkt eher amüsiert als zornig. Der Informatiker leitet die EDV-Abteilung des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte. Gesellschaftliche Entwicklungen kommentiert er in seinem privaten Blog »Schockwellenreiter«. Texte und Fotos stellt er zunächst auf diese Seite. Eine Software sorgt dafür, dass sie danach auch auf seiner Facebook-Seite erscheinen. »Momentan ist Facebook die Plattform«, sagt Kantel. »Wer da nicht ist, wird nicht wahrgenommen.«

Stein des Anstoßes waren nackte Frauen. Einmal veröffentlichte Kantel neben einem Text ein Foto von 1910: Umringt von Malern steht ein unbekleidetes Modell in einem Atelier. Im zweiten Fall ging es um Aktfotos von vor 1930. Beide Male löschte Facebook die Fotos samt Kantels Texten und sperrte ihm für 24 Stunden den Zugang. »Die einzige Begründung, die Sie bekommen, lautet: ›Es verstößt gegen unsere Richtlinien!‹«, sagt Kantel. Er hat sich nun doch in Wut geredet. »Heute sind es Nacktbilder. Morgen sind es politische Äußerungen, die Facebook nicht passen und die dann ebenfalls zensiert werden.«

Nicht erst morgen. Es passiert schon heute. Und nicht nur bei Facebook: Rupi Kaur aus Toronto wollte mit einer Fotoserie darauf aufmerksam machen, dass menstruierende Frauen in vielen Ländern im Abseits stehen. Sie postete ihre Bilder auch auf Instagram. Der Internetdienst entfernte unter anderem eine Aufnahme, auf der eine Frau mit einem Blutfleck an der Hose zu sehen ist. Erst nachdem die Studentin protestiert und Zeitungen berichtet hatten, stellte Instagram die Fotos wieder online.

Kürzlich löschte Google das Online-Tagebuch des US-Schriftstellers Dennis Cooper, für das dieser den Google-Dienst blogger.com genutzt hatte. 14 Jahre öffentlicher Reflexion – alles verloren, da Cooper keine Sicherungskopien angefertigt hatte.

Facebook löschte Einträge der deutschen Publizistin Anabel Schunke, welche die Burka als einen »Stoffsack« bezeichnet und ein sofortiges Verbot gefordert hatte. Ferner entfernte Facebook ein Video über eine Demonstration gegen Angela Merkel, gepostet vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Anti

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