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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2016
In eurer Welt kann ich nicht sein
Warum Liah vor ihrer Familie flieht
Der Inhalt:

Feindliche Übernahme

von Michael Behrendt vom 09.09.2016
Politiker setzen nur zu gerne Popsongs im Wahlkampf ein – mitunter auch gegen den Willen der Künstler

Musik bewegt – deshalb greifen Politiker im Wahlkampf gern auf bekannte Songs zur Untermalung ihrer Auftritte zurück oder spannen beherzt den ganzen Künstler ein. Wie man sich dabei gleich in mehrfacher Hinsicht vergreifen kann, zeigte zuletzt der Brachialrepublikaner Donald Trump.

Er setzte ausgerechnet »Dream On«, den Siebzigerjahre-Hit der amerikanischen Rockband Aerosmith ein. Die emotionale Wucht der Powerballade sollte für Euphorie bei den Anhängern sorgen und vielleicht auch den ein oder anderen unentschiedenen Wähler mitreißen. Dumm nur, dass der Unternehmer mit Drang zum US-Präsidentenamt nicht um Erlaubnis gefragt hatte und sich so im Oktober 2015 eine Unterlassungsaufforderung einfing. Hinterher behauptete er prompt, er habe längst einen viel besseren Song gefunden.

Möglicherweise meinte er »Rolling in the Deep«, den Superhit von Adele. Der kam anschließend zum Einsatz, mit demselben Resultat: einer saftigen Beschwerde der britischen Ausnahmeinterpretin. Zuvor hatten sich schon Rockveteran Neil Young und die Band R.E.M. von Trump distanziert. Nach Adele zeigten sich dann noch Queen (»We are the Champions«) und die Rolling Stones (»You Can’t Always Get What You Want«) »not amused« über die feindlichen Übernahmen ihrer Hits.

Tatsächlich ist Trump nur einer von vielen Politikern, die ungeniert Urheberrechte verletzen. Das Kalkül dahinter: Man möchte die Songs benutzen, um das unsinnlich erscheinende Politikgeschäft emotional aufzuladen und junge Wählerschichten zu erreichen. Wenn dann noch etwas vom coolen Lifestyle und Glamour der Stars auf die eigene Person abfärbt, umso besser!

Schon 1984 stritt Bruce Springsteen mit US-Präsident Ronald Reagan um »Born in the USA«, 2005 rügten dann die Rolling Stones die deutsche Kanzlerkandidatin Angela Merkel für den PR-Einsatz ihres Klassikers »Angie«. Immerhin: Nachdem die biedere CDU-Spitze nach dem Sieg bei der Bundestagswahl 2013 vor laufenden Kameras ausgerechnet zu »Tage wie diese«, einem Hit der Düsseldorfer Punkheroen Die Toten Hosen, gejubelt hatten, bat die Kanzlerin Campino, den Sänger der Band, anschließend um Entschuldigung.

Unverbesserlich dagegen der Landesverband der NPD in Thüringen: Bei seinen Wahlkampfveranstaltungen 2014 setzte er unerlau

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