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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
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Der Inhalt:

Zaide kann nicht zurück

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.09.2015
In Augsburg wird die unvollendete Mozart-Oper »Zaide« inszeniert. Die Darsteller sind Flüchtlinge – und ergänzen das Singspiel mit ihren eigenen Geschichten

Zaide will fliehen. Sie will frei sein und mit dem Mann zusammenleben, den sie liebt. In Mozarts unvollendetem Singspiel ist Zaide eine Sklavin, die versucht, aus einem orientalischen Sultanspalast nach Europa zu fliehen. Hier, auf der Brecht-Bühne in Augsburg, steht Zaide stellvertretend für die vielen Millionen Menschen, die derzeit auf der Flucht sind. Das Besondere an dieser Inszenierung: Viele der Darsteller sind selbst Flüchtlinge, inszenieren das Stück ihres Lebens.

Regisseurin Julia Huebner, die Opernsängerin und Ideengeberin Cornelia Lanz und der Verein Zuflucht Kultur führen das selten gespielte Opernfragment gemeinsam mit Menschen auf, die in ihrer Heimat als Künstler gearbeitet haben und nach Deutschland fliehen mussten. Dazu verlegen sie die Handlung in die heutige Zeit.

Mozarts Musik wird kontrastiert durch einen arabischen Chor und afrikanische Tanzeinlagen; eingeschobene Texte ergänzen das ursprüngliche Libretto. Die Gesangspartien werden von ausgebildeten Sängern vorgetragen. Ein zwanzigköpfiges Orchester, das Ensemble Zuflucht, begleitet die Sänger und Schauspieler. Die Fluchtgeschichten der Künstler spiegeln sich in den vorgetragenen Texten wider. Es sind Begegnungen auf Augenhöhe, die hier auf dieser Bühne stattfinden. Kein Bevormunden. Kein Mitleid.

Erster Akt: Ausweiskontrolle im Zug. Der Iraker Ayden Antanyos spielt einen bayerischen Kontrolleur in rot-weiß kariertem Hemd. Während er seinen Weg durch die Reihen macht, empört er sich über »einen dieser Flüchtlinge«: »Der kann kein Wort Deutsch. Und lebt in einer riesigen Altbauwohnung. Alles bezahlt. Vom Staat. Was stimmt da nicht?«

Eine starke Frau

Die Hauptperson Zaide, auf der Bühne barfuß und ganz in Gelb gekleidet, wird gleich dreifach verkörpert: von der Mezzosopranistin Cornelia Lanz, von einer syrischen Schauspielerin und von einer nigerianischen Tänzerin. »Zaide ist eine starke Frau«, sagt Cornelia Lanz. »Durch die Tänzerin erhält sie eine Körperlichkeit, die ich selbst nie ausdrücken könnte.«

Auch ihr Geliebter Gomatz – ganz in Blau – wird dreifach dargestellt: von einem Syrer, einem Deutschen und einem Afghanen. So erhalten die Figuren verschiedene Facetten. Ländergrenzen verschwimmen, geben Raum für die Menschen un

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