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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

»Wer verschmutzt, muss zahlen«

von Michael Schrom vom 11.09.2015
Klimaforscher Ottmar Edenhofer über den Schutz der Atmosphäre, weltweite Gerechtigkeit und die Forderungen des Papstes

Publik-Forum: Sie haben die Enzyklika als revolutionär bezeichnet. Warum?

Ottmar Edenhofer: Franziskus stellt wie kein Papst je zuvor das derzeitige globale Wirtschaftssystem infrage. Er erkennt die Atmosphäre als schützenswertes globales Gemeinschaftsgut an. Diese Formulierung wurde im Bericht des Weltklimarats vom Haupttext in eine Fußnote verbannt. Die Regierungen befürchteten, die Anerkennung der Atmosphäre als globales Gemeinschaftsgut könnte völkerrechtliche Konsequenzen haben: eine Schutzverpflichtung im Falle ihrer Gefährdung. Genau das verlangt der Papst! Die Nutzungsrechte an der Atmosphäre, an Ozeanen, den Wäldern müssen so gestaltet werden, dass sie den Kriterien der Gerechtigkeit genügen. Da aber weit mehr Kohle, Öl und Gas im Boden sind, als in der Atmosphäre abgelagert werden können, bedeutet Klimapolitik konkret, dass in das private Eigentumsrecht der Besitzer von Kohle, Öl und Gas eingegriffen wird. Der Papst ist der Meinung, dass diese Eingriffe legitim sind, weil so eine Gefahr für alle abgewendet wird.

Wie ist das Schreiben in der wissen schaft lichen Welt aufgenommen worden?

Edenhofer: Zunächst gab es die erwartbaren Reflexe: Zustimmung seitens der Umweltbewegung, Ablehnung in der wirtschafts liberalen Presse, dröhnendes Schweigen der sogenannten Klima skeptiker. Wesentlich interessanter waren die Reaktionen seitens der Wissenschaft. Es ist in der Geschichte der katholischen Sozialverkündigung einzigartig, dass hochrangigste Wissenschaftsmagazine wie Nature und Science zustimmende Leitartikel publizierten. Dabei wurde vor allem positiv hervorgehoben, dass sich der Papst auf einen Dialog mit der Wissenschaft einlässt.

Was ist das Besondere daran, dass ein Religionsführer die Erkenntnisse der Naturwissenschaftler bestätigt?

Edenhofer: Bislang hat sich die katholische Kirche mit dem Thema Klimawandel aus drei Gründen schwergetan. Erstens gab es in der Wahrnehmung des Vatikans keinen ausreichenden Konsens, ob der Mensch den Klimawandel verursacht. Zweitens befürchtete Rom, dass das Wachstum der Bevölkerung für das Wachstum der Emissionen verantwortlich sein könnte, sodass die Haltung des Vatikans zur Bevölkerungspolitik erneut kritisch diskutiert werden könnte.

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