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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Das Phänomen

von Michael Damm vom 11.09.2015
Aufgefallen: Wer sich in den USA als »demokratischer Sozialist« bezeichnet, gilt als politisch chancenlos. Doch bei Bernie Sanders ist dies anders

Das hätte sich Bernie Sanders, US-Senator aus Vermont, noch vor wenigen Monaten nicht träumen lassen: Mühevoll hatten ihn seine Anhänger überzeugt, doch im konservativ ländlichen Bundesstaat South Carolina eine Rede zu halten, wenn er wirklich Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten werden wolle. Jetzt steht er am Rednerpult eines hoffnungslos überfüllten Saales. Seine Rede wird nach draußen übertragen. Denn in der 60 000-Einwohner-Stadt Greenville gibt es keinen Raum, der die 3000 Menschen fasst, die Sanders hören wollen.

Auch in anderen Städten jubeln Tausende einem Politiker zu, der für viele US-Amerikaner wie ein Außerirdischer wirken muss: Er bezeichnet sich als »demokratischer Sozialist« und wettert gegen die Wallstreet im Besonderen und den US-Kapitalismus im Allgemeinen. Ganz im Gegensatz zum sprichwörtlichen Optimismus der US-Amerikaner zeichnet der 73-jährige Sanders ein düsteres Bild von einem Amerika, das »immer mehr Armut produziert, Menschen ausbeutet und die Welt zerstört«.

»Er ist einfach ehrlicher als andere Politiker und nicht käuflich«, sagt eine Besucherin in Greenville. Sie gehört zu den 450 000 Kleinspendern, die Sanders’ Kampagne finanzieren. Spenden aus der Wirtschaft nimmt Sanders aus Überzeugung nicht an.

Den Mut, alles anders zu machen als andere, hat Sanders, seit er durch die Bürgerrechtsbewegung und den Vietnamkrieg in den 1960er-Jahren politisiert wurde. Als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer reifte seine sozialistische Überzeugung durch einen Aufenthalt in mehreren Kibbuzim in Israel.

Als er sich danach als »demokratischer Sozialist« für soziale Gerechtigkeit und gegen jede Gewalt engagierte und für politische Posten kandidierte, setzte es zunächst nur Niederlagen. Erst 1990 zog er durch besondere Umstände im liberalen Vermont in das Repräsentantenhaus ein. Seit 2006 vertritt er den Staat als parteiloser Senator, der sich allerdings der Demokratischen Fraktion angeschlossen hat. Im Parlament machte er durch engagierte Auftritte von sich reden. Er wütete gegen die US-Invasion in den Irak und gegen das Heimatschutzgesetz. Im Jahre 2010 blockierte er mit einer achteinhalbstündigen Rede den Kompromiss zwischen US-Präsident Obama und den Republikanern, weil die Demokraten Steuerkürzungen für Superreiche akzeptierten – für Sanders »ein Frevel«.

Jetzt mischt er den Vorwahlkampf

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