Personen und Konflikte
Herta Müller, in Rumänien aufgewachsene Schriftstellerin, hat den osteuropäischen Völkern vorgeworfen, sich hartherzig gegen Flüchtlinge zu zeigen und dabei ihre eigene leidvolle Vergangenheit zu vergessen. Länder, aus denen jahrzehntelang Menschen geflohen sind, müssten eigentlich besonders sensibel für Flüchtlinge sein, meint die Literaturnobelpreisträgerin. »Aber heute tun diese Länder so, als hätten sie mit Flucht noch nie etwas zu tun gehabt. Die nationalistischen Haltungen seien auch eine Spätfolge des Kommunismus. »Durch die Abschottung hat er ein gespenstisches negatives Nationalgefühl produziert, einen aggressiven Heimatbesitz.« In Ungarn hat Miklos Beer, katholischer Bischof von Vac, das Schweigen seiner Kirche angesichts des neuen ungarischen Grenzzaunes bedauert. »Das tut mir weh, und ich schäme mich dafür. Wir reagieren viel zu langsam.« Sein evangelischer Amtskollege Tama Fabiny von Budapest sagte, Ungarns Regierung erwarte von den Kirchen »bedingungslose Treue«. Weil die Kirchen von staatlichen Fördergeldern abhingen, sei dies umso leichter durchzusetzen.
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