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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

»Es ist skandalös«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.09.2015
Die Regierung will neue Sturmgewehre bestellen. Da kommt der Spielfilm von Daniel Harrich über die Waffen-Mafia und die Politik gerade recht. Ein Gespräch mit dem Regiesseur

Publik-Forum: Die Hauptfigur Ihres Films »Meister des Todes« ist ein junger Mann, der aus dem Waffenhandel aussteigen will. Er gerät massiv unter Druck, es geht um Erpressung, Verrat, und Loyalität. Hört sich an wie bei der Mafia …

Daniel Harrich: … ist auch so. Die Arbeit bei einer Waffenfirma ist eine Kultur, eine Familie, eine Tradition. Viele kennen es gar nicht anders, da hat schon der Vater und der Großvater dort gearbeitet, das wird einfach nicht hinterfragt. Das muss vorerst nichts Negatives sein. Aber wenn dann jemand aussteigen will und damit eine über Generationen gewachsene Loyalität erschüttert, stößt er in seinem Umfeld auf Empörung, Verachtung und sogar Hass.

Wie nah ist Ihr Thriller an der Realität?

Harrich: So nah an der Realität, dass es wehtut. So fern, wie es die Fiktion verlangt. Die Personen und Namen der Firmen sind frei erfunden, haben aber Inspiration im echten Leben. Klar ist: Es geht nicht um eine einzige Firma, die illegal Waffen in Bürgerkriegsgebiete liefert, das hat System.

Im Film wird der Aussteiger sogar von der Polizei gemobbt. Ist das nicht übertrieben?

Harrich: Ich kann Ihnen versichern, dass unser Film auf wahren Begebenheiten beruht. Die Realität ist oft noch viel brutaler und schmutziger, als wir es zeigen.

Wie lief die Recherche ab?

Harrich: Es war wie in einem Agententhriller: geheime Treffen an Flughäfen und in Hotelzimmern, Aktenübergaben und verdeckte Aussagen. Wir haben den Film über ein Jahr lang geheimgehalten und unter dem Deckmantel einer romantischen Komödie gedreht. Der »Meister des Todes« hat aber eine Vorgeschichte: Zunächst habe ich den Dokumentarfilm »Waffen für die Welt« gemacht und war für die Recherche im Sudan, in Kolumbien und eben in Mexiko.

Was hat Sie im Laufe Ihrer Recherchen am meisten erschreckt?

Harrich: Die Rolle der deutschen Behörden. Die ist wirklich skandalös. Das sind eigentlich Kontrollbehörden, aber de facto benehmen sie sich wie Beförderungsbehörden der Waffenfirmen. Von weit entfernten und korrupten Staaten erwartet man vielleicht, dass politische Institutionen dermaßen in illegale Waffengeschäfte verwickelt sind – aber doc

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