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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Couchsurfing

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.09.2015
Auf fremden Sofas in fremden Wohnungen bei fremden Menschen schlafen? Es gibt keine schönere Art zu reisen!

Zuerst war da dieser entgeisterte Blick. Von Freunden, Bekannten, Nachbarn. Ich habe ihn häufig gesehen, wenn ich erzählte, dass ich als »Couchsurferin« bei Fremden übernachtet hatte. Wie bitte? Bei fremden Leuten? Noch dazu als Frau? Ja, bei fremden Leuten, als Frau. Ganz ohne vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden. Über die Internet-Plattform Couchsurfing kann man in zahlreichen Städten Gastgeber suchen, die einen für eine oder mehrere Nächte aufnehmen. Kostenlos. Mit einem Online-Profil stellen sich Gastgeber und Reisende vor; durch Bewertungen von anderen Reisenden erfährt man, wie zufrieden vorherige Couchsurfer mit dem Gastgeber und der Unterkunft waren. Wer als Couchsurfer unterwegs ist, muss nicht unbedingt selbst Gäste aufnehmen. Und für die Gastgeber gilt: Jede Anfrage kann auch abgelehnt werden.

Es ist ein bestimmter Menschenschlag, der sich dafür begeistert. Es sind diejenigen, die auch Austauschschüler unentgeltlich aufnehmen. Die sich von Fremden, die mit »Free-Hugs«-Plakaten in der Fußgängerzone stehen, umarmen lassen. Die schon früher auf Weltjugendtagen oder Pfadfindercamps waren und wissen, dass man sich immer auch mit Händen und Füßen verständigen kann. Kurzum: Menschen, die ein Urvertrauen in andere Menschen haben. Ohne das geht es nicht.

»Hallo, herzlich willkommen!«, begrüßt mich Bruno, ein Deutsch-Brasilianer, bei meiner Ankunft in seiner Wohnung in Rio de Janeiro. »Hier ist die Küche, der Kühlschrank ist voll, bedien dich!«, sagt er, nachdem er mir das Zimmer gezeigt hat, in dem ich übernachten werde. Und dann: »Ich muss noch mal kurz los, bin in einer Stunde wieder da.« Und weg war er. Ich blieb zurück in einer Traumwohnung direkt gegenüber der Copacabana.

Bruno und ich kannten uns nicht. Es war das erste Mal, dass wir uns begegnet waren. Zuvor war ich als Couchsurferin in London gewesen. Als meine Gastgeberin Sara erfuhr, dass ich nach Rio fliegen würde, fragte sie ihren Bekannten Bruno, ob ich bei ihm wohnen könnte. So schnell ging das. So schnell warf ich auch meinen Vorsatz über Bord, nur bei Frauen zu übernachten. Probleme hatte ich dadurch nie.

2003 gründete der Amerikaner Casey Fenton das Netzwerk, das heute nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Mitglieder weltweit hat. Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Plattformen im Internet, zum Beispiel Hospita

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