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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Verdeckte Allianzen

von Thomas Seiterich vom 13.09.2013
Geopolitik, Erdöl, Gas, Pipelines: Die wirtschaftlichen Interessen im syrischen Bürgerkrieg

Der Syrien-Krieg um die Herrschaft von Assad ist längst zu einem Stellvertreterkrieg anderer Mächte geworden. Es geht um den Zugriff auf Öl und Erdgas. Katar und die Russen haben viel zu verlieren, die USA hoffen zu gewinnen. Als aktiver Strippenzieher im Hintergrund wirkt Saudi-Arabien.

Für Russland ist das Regime von Assad der einzig verlässliche Verbündete im strategisch wichtigen Nahen Osten. Die Vereinigten Staaten würden gerne die Achse Iran–Syrien–Hizbollah im Libanon sprengen, einen westlich orientierten Vorposten in Syrien installieren und damit auf einen Schlag die Kreise Russlands und des Irans massiv stören – und den eigenen Zugang zu Rohstofflieferungen verbessern.

Eine wichtige Rolle in diesem Kampf um Rohstoffe spielt das Golf-Emirat Katar. Das sunnitische Emirat hat die radikal islamischen Gotteskrieger in Syrien im Bürgerkrieg bislang mit mindestens drei Milliarden Dollar unterstützt. Katar ist extrem reich an Erdgas. Europa ist derzeit Winter für Winter weithin abhängig von russischen Erdgaslieferungen. Dieses Quasi-Monopol möchte Weltmarktführer Katar gerne aufbrechen und Europa mit Erdgas beliefern. Deshalb werden in dem an Fläche kleinen Emirat seit geraumer Zeit Pipeline-Baupläne geschmiedet. Würde das Assad-Regime zusammenbrechen und der Katar-freundliche Flügel von Syriens Opposition den Bürgerkrieg gewinnen, stünden die Chancen für die Errichtung einer Pipeline Katar–Saudi-Arabien–Syrien gut. Zumal im Mittelmeer vor Syriens Küste noch Erdgasvorkommen vermutet werden.

Putins Russland möchte sein Gazprom-de-facto-Monopol in der Belieferung von EU-Europa und der Ukraine mit Erdgas sichern. Das gelänge am besten, wenn das mit Russland verbündete Regime Assad den Krieg gewinnen würde. Da dies jedoch militärisch unwahrscheinlicher wird und Assad die revolutionär gestimmte junge Generation in Syrien längst verloren hat, lohnt es sich für Russland, mit dem mächtigen US-Verbündeten Saudi-Arabien über die Lage nach dem Bürgerkrieg zu sprechen. Denn Saudi-Arabien finanziert in vielen Staaten die Muslimbrüder.

Anlass bietet die Olympiade 2014 in Sotschi. Russlands Regierung befürchtet Attacken tschetschenischer Glaubenskrieger auf die russischen Spiele. Saudi-Arabiens Geheimdienstchef Prinz Bandar bin Sultan sagte Staatschef Wladimir Putin Anfang August in einem Vier-Augen-Gespräch in Putins Gästeha

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