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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2013
Schutzschirm der Seele
Was uns die Kraft gibt, immer wieder aufzustehen
Der Inhalt:

Der schnelle Ruf nach Waffen

von Renke Brahms vom 13.09.2013
Militärschläge gelten inzwischen als normales Instrument der Politik. Dabei zeigen
alle Erfahrungen, dass sie keinen Konflikt lösen. Ein Plädoyer für gewaltfreie Alternativen

Die Bilder aus Syrien erschrecken mich. Nicht erst seit dem Einsatz von Giftgas sterben unzählige Menschen. Mit dem Übertreten des Chemiewaffenverbots ist eine neue Schwelle der Eskalation der Gewalt erreicht, die auf das Schärfste zu verurteilen ist. Christinnen und Christen in Syrien und anderen Ländern der arabischen Welt werden bedrängt, verfolgt und müssen flüchten.

Diese Ereignisse wecken in mir den starken Impuls zu einer Reaktion. Man kann doch nicht einfach zuschauen, denke ich. Einem Militärschlag als Strafaktion kann ich dennoch nicht zustimmen. Denn ein Konflikt kann nicht mit Waffengewalt gelöst werden; das wissen wir aus den Erfahrungen der bisherigen Einsätze. Es braucht eine politische Lösung. Höchst ärgerlich ist es, dass in der Öffentlichkeit ein Bild vorherrscht, in dem offensives Handeln mit einem Militärschlag gleichgesetzt wird – und die Ablehnung einer Militäroffensive als naiver Pazifismus bewertet wird. Ist es nicht mindestens so naiv, von einem Militärschlag eine Lösung zu erwarten?

Nach zwei Weltkriegen galt es in Deutschland lange Zeit als gemeinsame Überzeugung, dass von Deutschland nie wieder Krieg ausgehen sollte. Das hat zu einer großen Zurückhaltung angesichts militärischer Einsätze geführt – und das ist richtig. Die weltpolitische Situation hat sich verändert. Auch die Rolle Deutschlands hat sich verändert. Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen. Leider entwickelt sich dabei das militärische Denken mit einer Eigendynamik, die die Entwicklung ziviler Instrumente behindert oder verdrängt. Seit dem Balkankrieg hat sich die deutsche Verteidigungsarmee zunehmend zu einer Einsatzarmee entwickelt. Zu beobachten ist eine stetige Gewöhnung an den Krieg. So erschallt als unmittelbare Antwort auf den Impuls »Man muss doch etwas dagegen tun!« häufig der Ruf nach einem Militärschlag.

Deutschland als Land, von dem zwei Weltkriege ausgegangen sind und das eine friedliche Revolution erleben durfte, hat vielmehr die Verpflichtung, sich vorrangig für friedliche Mittel der Konfliktbearbeitung einzusetzen. Die Politik hat mit dem im Jahr 2004 verabschiedeten Aktionsplan »Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung« einen Ansatzpunkt geschaffen, den es weiterzuentwickeln gilt. Verschiedene Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen bilden Friedensfachkräfte aus und senden diese zur Konfliktprävention und Konfliktlös

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