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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

»Unsere große Revolution«

von Thomas Seiterich vom 07.09.2012
Heraus aus dem Kokon: Erst seit dem Konzil beginnen Asiens Katholiken, ihre religiöse und soziale Umwelt zu entdecken

Das Zweite Vatikanische Konzil war für die katholische Kirche rund um die Erde eine Art neues Pfingstereignis. Für die Kirchen in Asien brachte dieses Konzil nichts weniger als eine echte Revolution.

Zentrales Anliegen der Bischofsversammlung waren die Erneuerung und – mit einem Wort von Johannes XXIII. – das Aggiornamento, der Positions- und Paradigmenwechsel sowie eine Neupositionierung der ziemlich versteinerten Kirche in der Lebenswelt der Menschen von heute. Das Ziel war, dialogisch auf die Herausforderungen der Welt zu antworten. Das Rundschreiben Ecclesiam Suam von Paul VI., der während des Konzils auf Johannes XXIII. folgte, formuliert die radikale Umkehr so: »Die Kirche muss in den Dialog mit jener Welt eintreten, in der sie lebt.«

Paul VI. benennt vier Ebenen des Dialogs: mit der Welt und ihren Kulturen, mit fremden Religionen, mit den nichtkatholischen Christen sowie innerhalb der Kirche selbst. Genau diesen Dialog setzen Asiens Kirchen seither um. Erstmals seit ihrer Gründung durch weiße Missionare vor Jahrhunderten machten sie sich daran, ohne Ressentiment oder Furcht auf die höchst unterschiedlichen Welten zuzugehen, in denen sie von Palästina bis Korea und den Philippinen leben.

Eine wichtige Frucht des Konzils ist die Gründung der Federation of Asian Bishops’ Conferences FABC, der »Vereinigung der asiatischen Bischofskonferenzen«. Sie markiert den entscheidenden Meilenstein auf dem Weg der Selbstwerdung der Kirche in Asien. Die FABC – und dank ihrer die permanente Vertiefung und Weiterentwicklung der Konzilsbeschlüsse – ist ein großes Glück für uns (www.fabc.org).

Die Vereinigung beruht auf Freiwilligkeit. Sie entstand 1970, nach einem Treffen von Papst Paul VI. in Manila mit 180 Bischöfen aus gesamt Asien. Hier wuchs ein neues Bewusstsein, vor allem in den vielen Ordensgemeinschaften, was ihre Beziehungen zur jeweiligen Gesellschaft, Lebenswelt und Kultur betrifft. Der Wandel ging tief: Es war ein Paradigmenwechsel.

Die Vision lautete: Einen neuen Weg einschlagen, um »eine Kirche in Asien« zu werden. Dies beinhaltet eine umfassende Erneuerung, stets mit dem Blick auf die »Zeichen der Zeit« und den eigenen politischen und religiösen Kontext. Deshalb unterstützt die FABC den Weg der Kirche zu den Armen und zu den

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