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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Seniorenheim statt Seminar

von Joachim Göres vom 07.09.2012
An der Uni Oldenburg können Studierende ehrenamtliche Arbeit auf ihr Studium anrechnen lassen

Susan betreut Menschen mit Demenz im Seniorenheim. Alessa übt im Hort mit Migrantenkindern Lesen und Rechnen. Anna ist Gesprächspartnerin für Gefangene in der Justizvollzugsanstalt. Drei von insgesamt gut zwanzig jungen Leuten an der Universität Oldenburg, die zusätzlich zu ihrem Studium ehrenamtlich tätig sind – und so für ihr Studium sechs »Credit Points« erwerben: In dem nach Uniangaben bundesweit einmaligen Studienmodul Service Learning können Studierende aller Fachrichtungen ein Semester lang in ihrer Freizeit bei einem von dreißig Projektpartnern wie etwa der Lebenshilfe oder der Wohnungslosenhilfe der Diakonie mitarbeiten. »Wir wollen den Blick über den Tellerrand des Studiums sowie die ehrenamtliche Betätigung fördern und dabei soziale und persönliche Kompetenzen vermitteln«, sagt Michael Viertel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Pädagogik.

Der Sozialwissenschaftler leitet drei ganztägige Treffen während des Semesters, auf denen die Studierenden über ihre Erwartungen sprechen und sich über ihre Erlebnisse in Arbeitsfeldern austauschen können, die ihnen zuvor meist fremd waren. »Im Hort haben sie gedacht, dass ich weiß, wie man mit Kindern lesen übt. Sie waren ganz erstaunt, dass ich Wirtschaftswissenschaften studiere und so eine Arbeit für mich ganz neu ist«, erzählt die 22-jährige Alessa Speldrich. Alessa hatte bereits in der Jugendorganisation der Rotarier in ihrer Freizeit Mädchen und Jungen betreut. Vor ihrem ersten Termin im Hort war sie dennoch nervös. »Ich hatte Angst, von den Kindern nicht angenommen zu werden. Es lief dann ganz anders, die Kleinen sind sehr nett und freuen sich auf mich. Das ist ein schönes Gefühl.«

Besonders beeindruckt ist Alessa von der Erfahrung, wie Migrantenkinder darunter leiden, dass sie mit ihren geringen Deutschkenntnissen in der Schule hinterherhängen. »Ob ich ihnen wirklich helfen kann, ist schwer zu sagen«, sagt sie skeptisch, »meine insgesamt vierzig Stunden gehen schnell vorbei.« In dem von ihr angestrebten Beruf als Personalmanagerin sieht sie derzeit keine Möglichkeiten, die gewonnenen Erfahrungen zu nutzen.

Die Teilnehmer des Moduls Service Learning haben dennoch das Gefühl, auch persönlich vom Ehrenamt zu profitieren. Nettes Team, Unterstützung, Freiraum für selbstständiges Arbeiten,

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