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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2019
Attacke von rechts
Wie die AfD im Osten die Kirche spaltet
Der Inhalt:

Wenn keiner mehr kommt …

von Viola Rüdele vom 23.08.2019
Darf die Kirche den Sonntagsgottesdienst aufgeben? Der Theologe Thies Gundlach über Krise und Tradition

Publik-Forum: Herr Gundlach, Sie sind in der Evangelischen Kirche in Deutschland für theologische Grundsatzfragen zuständig. Nun gibt es eine Debatte über den Sonntagsgottesdienst (siehe auch Seite 8). Wie wichtig ist der Sonntag als kirchlicher Feiertag?

Thies Gundlach: Für diejenigen, die sich stark mit der Kirche verbunden fühlen, die Ehrenamtlichen zum Beispiel, ist der Sonntaggottesdienst immens wichtig, zur Identifikation, zur Stärkung und Vergewisserung. Aber dass der Gottesdienst am Sonntag nicht die Mitte der ganzen Gemeinde ist, das ist nicht neu.

Wo sehen Sie stattdessen die Mitte der christlichen Gemeinde?

Gundlach: Die Mitte der Gemeinde ist nicht zuerst soziologisch, sondern theologisch zu definieren: die Mitte ist das Interesse an Bibel und Glaube, an Bekenntnis und Feier. Um diese Mitte versammeln sich die verschiedenen Gruppen und Interessen, Lebensphasen und Einsätze. Und es ist genau diese Ausdifferenzierung, die die Arbeit in den Gemeinden neu und herausfordernd, aber auch chancenreich macht.

Warum erreichen die Kirchen nicht mehr Menschen für den Sonntagsgottesdienst?

Gundlach: Ich glaube gar nicht, dass insgesamt weniger Menschen zu Gottesdiensten kommen. Doch die Gesellschaft hat sich ausdifferenziert. Für Jugendliche und junge Paare ist Sonntag um 10 Uhr fast schon eine nächtliche Ruhestörung. Daher brauchen wir auch andere Angebote, zum Beispiel Gottesdienste im Urlaub am Strand oder am Sonnabend ebenso wie Andachten und vieles mehr. Zu meinen, es muss jeden Sonntag überall an jedem Ort Gottesdienst gefeiert werden, führt letztlich nur zu einer erschöpften Kirche. In einer kleiner werdenden Kirche muss man die Ressourcen und Kräfte auch nüchtern betrachten: Wir können nicht alles überall machen.

Nimmt sich die Kirche damit nicht die Argumentationsgrundlage für den arbeitsfreien Sonntag, den sie stets gefordert hat?

Gundlach: Der Sonntag ist das Geschenk des Christentums an die Welt. Als heiliger Tag der Unterbrechung ist er für alle arbeitsfrei. Die Sklaven in Rom mussten zuvor noch sieben Tage die Woche am Stück arbeiten. Doch der arbeitsfreie Sonntag ist nicht davon abhängig, wie viele Menschen an dem Tag zur Kirche gehen. Er wird von der

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